Kultur : ZURÜCK - POP

HANS SEGGERN

Lenny Kravitz hat es nicht leicht.Die ursprüngliche narzißtische Kränkung dieses Mannes scheint darin bestanden zu haben, nicht als Jimi Hendrix geboren worden zu sein.Vielen erscheint er als überdrehter Exzentriker, der sich in arrogante Posen und allzu offensichtliche imitatio Hendrixae verstiegen hat und dem allenfalls sporadische Glückstreffer zuzutrauen sind.So hinterließ er mit seinem zweiten Album "Mama Said" (1991), einem durchdacht konzipierten, lyrisch-psychedelischen Werk, einen vielversprechenden Eindruck, um diesen zwei Jahre später mit einer uninspirierten Cover-Version von "Crosstown Traffic" wieder zu zerstören.Diese Ambivalenz kann Kravitz auch beim Konzert in der ausverkauften Arena, das sich nicht von ungefähr auf das neue Album "5" und auf die Stücke von "Mama Said" konzentriert, nicht wirklich aufheben.Mit dem Eingangsstück "Live" etwa, einer energischen Funkrock-Nummer in bester Sly Stonescher Tradition, präsentiert Lenny Kravitz sich als messianischer Supersoul-Shouter mit einer nachdrücklich positiven Botschaft: "Nimm dein Leben in die Hand! Gestalte es aktiv!" Es folgt sein von einem aufpeitschenden Rock-Riff geprägtes "Always On The Run".Die Qualität der Musik wird konterkariert von der Prätention ihrer Produzenten: Der demonstrativ gelangweilt agierende Bassist ähnelt mit seiner überdimensionierten Sonnenbrille weniger einem Hendrix-Bandmitglied, als vielmehr einer humorfreien Kopie von Guildo Horns Orthopädischen Strümpfen.- Als großangelegte, hippieske Friedenshymne erschallt schließlich in einer zwanzig-Minuten-Version das Titelstück des ersten Albums "Let Love Rule".Hierzu sucht Superstar Kravitz das Bad in der Menge.Als er auf einem der Bühne gegenüberliegenden Podest wieder auftaucht, scheint er mit wildem Fuchteln bestrebt, sein Publikum zum Mittun zu bewegen - leider nimmt kaum jemand Notiz.

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