Kultur : ZURÜCK - POP

H. P. DANIELS

Seit dem Erfolg von "Tubular Bells" 1973 gilt der Engländer Mike Oldfield als einer der Urväter der New-Age-Musik. Mitte der siebziger Jahre hat der mittlerweile 46 Jahre alte Keyboarder sein eigenes Genre erfunden: Pathospop zwischen Soft Machine und Rondo Veneziano. "Guitars", sein jüngstes Album, wirkt wie der dahinplätschernde Hintergrund zu einem Naturfilm, aber auch wie unfertige Demobänder eines Klangtüftlers, der noch einen Sänger sucht. Man fragt sich, wer sich sowas anhört? Besitzer von sündhaft teueren High-End-Stereoanlagen, die nicht viel übrig haben für Musik, ihre Wohnungen aber gerne mit Soundteppichen auslegen? Immerhin ist der Große Saal im ICC ausverkauft und der Jubel groß, als dort ein paar Gestalten auf die Bühne schlurfen. Aha: eine Band! Beziehungsweise: Drei Keyboarder und ein Raschelmann am Schlagwerk. Und schon beginnt es zu wabern. Und eine Sängerin, die von Ferne wirkt wie Lara Croft, wogt im quietschrosa Oberteil hinein und läßt schon mal ein paar lange Sangestöne wehen. Dann schlurft noch einer hinterher, ach, das ist ja Mike Oldfield, zur Bühnenmitte, nimmt eine von den Gitarren, wabert auch, mit starkem Hall, wie man es von Dave Gilmour kennt, schlapper allerdings. Und die Gestalten sehen aus wie graugewordene Gummibärchen in einem grün illuminierten Aquarium. Und so klingt das auch. Alles schwimmt, alles geht ineinander über: schweres Herzpochen, Geklingel, Gedingel und Gebingel, bonbonklebrige Kitscheleien, etwas aus der Tüte der Hardrockklischees, "Tubular Bells" und "Ommadawn", eine von Lara Croft drittklassig gesungene Version von "Shadow On The Wall", bei der Roger Chapman rot anlaufen würde. "Moonlight Shadow" als dumpfer Klatschmarsch. Nach anderthalb Stunden ist Schluß. Tosender Beifall. Standing Ovations. Komische Welt. H. P. DANIELS

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