Kultur : ZURÜCK - ROCK

H.P.DANIELS (DANIELS)

"Black Velvet" war eine hübsche Single, ein großer Hit für Alannah Myles 1989.Die letzten Jahre hatte die Kanadierin Mainstream-Rock von der Stange gemacht.Glatt, nett, adrett.Durchgestylt wie die Fotos der Sängerin: hinter dichtem Make up verschwinden alle Wahrheiten.Wie Schneewitchen kommt Alannah Myles auf die Bühne des ColumbiaFritz: im roten Samtkleidchen mit weißen Rüschenärmeln.Das wirft sie schon während des ersten Songs von sich, und zum Vorschein kommen darunter eine weiße Lederkorsage und ein schwarzes Miniröckchen.Ach ja, natürlich singt sie auch, krächzt und kreischt ein bißchen.Doch ohne Kraft, ohne Ausdruck, ohne Biß ist diese Stimme, die man früher mit der abscheulichen Vokabel "Rockröhre" bezeichnet hätte.Lustlos begleitet von vier uninspirierten Miet-Musikern stolpert die Sängerin wie trunken durch die Songs und schafft es nicht, ihr Tambourin halbwegs im Takt und sich selber gerade zu halten, springt vom Schlagzeugpodest, fällt auf die Schnauze.Sie muß sich immer mal weider hinlegen und läßt ihre etwas ratlosen Jungs derweil endlose Intros, Outros, Solos spielen.Dann spielt sie ein bißchen Barbie-Püppchen, ein bißchen Femme Fatale, nein, das ist nicht schön anzusehen und nicht gut anzuhören.Und man hat ein bißchen Mitleid, denn es ist offensichtlich, daß die Sängerin leidet, daß sie keine Lust hat, daß es eine Tortur ist für sie.Und es ist eine Erlösung, daß nach einer klebrigen Fassung von "Black Vevlet" endlich Schluß ist; nach gerade mal neun Songs in einer Stunde.Müder Applaus.Ein Wunder, daß in der ruhigen Folk-Ballade "Lover Of Mine" schließlich doch noch etwas Seele und Wahrhaftigkeit aufglimmen.

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