Kultur : ZURÜCK - Rock

ANDREAS KRIEGER

So was gab es wahrscheinlich seit den Konzerten der Beatles nicht mehr: Das Publikum übertönt die Band.Leider reden wir nicht von irgendeiner Band, sondern von Metallica, den kalifornischen Heavy-Berserkern, von denen wir immer glaubten, sie würden alle Superlative erfüllen - natürlich auch den, die lauteste Band der Welt zu sein.Zumindest das kann man aber seit dem Auftritt des Quartetts in der ausverkauften Waldbühne vergessen.Durfte man in der ersten Hälfte des Konzertes noch hoffen, ein ordentliches Ohrensausen mit nach Hause zu nehmen, wurde Metallica gegen zehn Uhr der Saft abgedreht und das Best-Of-Programm aus 18 Jahren mit halber Lautstärke fortgesetzt.Noch direkt vor den Boxentürmen konnte man man sich entspannt mit seinen Nachbarn unterhalten und auch die von der Bühne aus reichlich verballerten Raketen übertönten die Metal-Mucke um ein Vielfaches.Der Unmut bei den 22 000 Headbangern war jedenfalls groß, und im Sturm von Buh-Rufen und Pfiffen ging das Stark-Strom-Gekniddel endgültig unter.Schade, denn Metallica waren in Top-Form und polierten sogar ihren ganz alten Heavy-Schrott zum Edel-Metall auf.Die kunterbunte Show empfehlen wir sowieso gerne nach Las Vegas weiter: groß aufgemotzter Rock-Spaß für die ganze Familie.Aggression als Entertainment, damit läßt sich fröhlich Kohle machen.Weil Metallica aber in den Designer-Kleidern, in denen sie sich zuletzt ablichten ließen, wenig böse wirkten, bleiben diese neuerdings in der Klamottenkiste.Sänger James Hetfield trug seine Matte wieder länger, spotzte herum wie ehedem und folterte seine Gitarren.Seine drei präzis wie Maschinen spielenden Kollegen übten sich derweil im Kalorien killenden Haupthaarschütteln.Maximaler Körpereinsatz bei minimaler Klangkulisse.Fast wie im Stummfilm.Auf jeden Fall ein Klassiker.

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