Kultur : ZURÜCK - WELTMUSIK

ROMAN RHODE

Kein Foto, auf dem Compay Segundo ohne Zigarre zu sehen wäre.Nur auf der Bühne raucht er nicht.Dafür erglimmen modische Cohibas in den Reihen des jungen Publikums - Zeichen selbstgedeuteter Virilität? Irgendwo steht wohl auch geschrieben, daß traditionelle kubanische Musik am besten mit einer Havanna zu genießen sei.Die Zigarre ist das Markenzeichen jedes kubanischen Sängers, der die 70 überschritten hat.Je länger der gerollte Tabak, desto älter, desto erfahrener die Stimme.Mit seinen 91 Jahren dürfte Compay Segundo allerdings einen seltenen Rekord halten, und seine "Muchachos", das Quartett, sind ebenfalls angehende Pensionäre.Doch sie verweigern sich hartnäckig dem Ruhestand und schauen auf das ausgehende Jahrhundert zurück.Herrlich ranzige Boleros, kreolische Danzas, flotte Guarachas und natürlich den unsterblichen Son spielen sie mit einer solchen Kraft, daß das Gestänge des Tempodroms bedrohlich ins Wackeln gerät.Zweites Markenzeichen von Compay Segundo ist das "Armonico" ein selbstgebautes Zwitterinstrument aus Gitarre und kubanischem Tres, das der alte Barde nicht nur anschlägt, sondern auch heftig knutscht und innig umarmt.Die seltsame Klampfe wird zur Geliebten und Tanzpartnerin zugleich.Bis Omara Portuondo die Bühne betritt, die "Königin des Feeling", und mit ihrer goldenen Kehle den sprühenden Charme des Meisters erwidert.Ein weiteres Mal glühen die Zigarren im Publikum auf, doch gemessen an Compay Segundo lassen die Glimmstengel nur an junge Gecken denken; Leute, raucht lieber Zigarretten!

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