Kultur : Zusammen-hänge(n)

MARTIN WILKENING

Es ist eine alte, immer einmal wieder verführerische Idee, bei zwei so verschiedenartigen Künsten wie der Musik und der Malerei Gemeinsamkeiten aufzuspüren, sei es im Schaffensimpuls, in den Gestaltungsprinzipien oder in den Wirkungen einzelner Werke.Die Deutsche Guggenheim, schon öfter den Wechselwirkungen zwischen den Künsten zugeneigt, läßt nun über den Sommer hinweg in vier Konzerten "Musik und Kunst aus fünf Jahrhunderten" zueinander in Beziehung treten - leider nicht innerhalb der Ausstellungsräume, sondern im benachbarten Lichthof, der mit seiner völlig unkontrollierten Akustik alles andere als einladend zum Musikhören wirkt.

Vor geladenem und applausfreudigem Publikum gestalteten Konrad Oberhuber, Direktor der an der gegenwärtigen Ausstellung beteiligten Wiener Albertina, und die Albertina-Solisten den mit dreieinhalb Stunden ziemlich breit geratenen Auftakt: einen "Konzertvortrag", in dem mit Hilfe von etwas hektisch hin- und hergejagten Diaprojekten sowie Kommentaren und musikalischer Illustration Zeichnug für Zeichnung und Künstler für Künstler der laufenden Ausstellung chronologisch abgehakt wird.Oberhuber plauderte dazu kennerhaft und passioniert, mit spontanem Zugriff auf den Gegenstand, der aber auch zur souveränen Unverbindlichkeit neigte, in der sich harmonisch alles zu allem fügte: Bei Zeichnungen Fragonards und einer vergleichsweise unbedeutenden Musik Philidors erschien etwa die "Eleganz und Bravour" als Bindeglied, bei Dürers Innsbruck-Aquarell und Heinrich Isaacs "Innsbruck ich muß dich lassen" das horizontale Fließen, die "nordische Horizontale", bei Rembrandt und Jakob van Eycks Flötenvariation die spontan-improvisatorische Führung der zeichnerischen und musikalischen Linien.Die Albertina-Solisten realisierten das breite, 30 Nummern umfassende Repertoire stilsicher auf historischen und modernen Instrumenten, herausragend dabei die Wandlungsfähigkeit des klaren Soprans von Enikö Butkai.

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