Kultur : Zwangsarbeiter-Entschädigung: Flick-Flac

Er wolle der Kunst und den Künstlern nicht schaden, lautet die Begründung von des Sammlers Friedrich Christian Flick für die Absage seiner 2002 im Münchner Haus der Kunst geplanten Ausstellung. Solche Sensibilität verdient eigentlich höchste Anerkennung, denn schließlich versagt er dem Publikum, am meisten wohl sich selbst Einiges, wenn er seine Schätze nicht zeigt. Doch nur bedingt, denn eine ähnliche Feinsinnigkeit hätte man sich von dem Enkel des im Dritten Reich zu seinem Vermögen gekommenen Industriellen Friedrich Flick auch gegenüber jenen noch lebenden Zwangsarbeitern erwartet, die im Rüstungsunternehmen seines Großvaters schuften mussten. Doch darin ist sich die Familie Flick trotz aller Nachfragen der Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft einig: Gezahlt wird nicht, schließlich gebe es keine Sippenhaft.

Und schon geraten die schönen Pläne der kunstsinnigen Nachfahren in ein schlechtes Licht. Erst kam das vom holländischen Stararchitekten Rem Koolhaas in einem ehemaligen Zürcher Industriequartier für 2004 geplante Privatmuseum ins Gerede - der gleich nebenan arbeitende Theatermann Christoph Marthaler will diesen Nachbarn ebenso wenig wie das ebenfalls dort residierende Migros-Museum. Dann muss sich der Kunstfreund auch noch Geschmacklosigkeit dafür attestieren lassen, dass er seine Werke zuvor ausgerechnet in Hitlers Münchner Musentempel zeigen möchte. Kann denn die Kunst etwas dafür, dass sie mit Geldern erworben wurde, an denen womöglich Blut noch klebt? Natürlich nicht. Schließlich genießen wir auch die mit ähnlicher Menschenverachtung angehäuften Kunstschätze der Medicis und anderer Potentaten.

Das Schicksal der Zwangsarbeiter im Dritten Reich aber liegt uns näher und sollte es auch den Flicks, deren Vermögen auch auf den damals gemachten Millionen basiert. Da reicht es nicht, Betroffenheit an einen amerikanischen Videokünstler zu deligieren ("Einen besseren Kommentar als den von Bruce Nauman zu Krieg, Folter und menschlichem Leid gibt es wohl kaum") oder eine wenn auch mit 10 Millionen Mark ausgestattete Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz zu gründen. Die Zukunft beginnt gestern. In der Kunst war dies immer schon eine der ersten Erkenntnisse.

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