Kultur : Zwangspfand: Sortieren wie die Weltmeister - Was das Duale System ist

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Das kleine runde Symbol mit den ineinander verschlungenen Pfeilen kennt fast jeder: Der Grüne Punkt ist auf Schachteln, Folien und andere Verpackungen gedruckt. Er ruft die Verbraucher dazu auf, Verpackungen in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne zu werfen. Und die sortieren wie die Weltmeister: 1999 waren es immerhin knapp 76 Kilogramm pro Bürger.

Träger des Grünen Punktes ist die Aktiengesellschaft Duales System Deutschland (DSD), ein Monopolist. Gesetzliche Grundlage ist die Verpackungsverordnung aus dem Jahr 1991. Das Unternehmen wird von Industrie und Handel getragen und finanziert sich über Lizenzgebühren. So kostet ein 250-Gramm-Joghurtbecher beispielsweise zusätzlich 2,73 Pfennige.

In Sortieranlagen werden die Gelben Säcke geöffnet, Maschinen pusten Folien aus dem Abfallgemisch und greifen Flaschen heraus. Dennoch ist dieFehlerquote hoch. Das größte ökologische Problem: Die Kunststoffe können nur grob nach Sorten unterteilt werden. Es entstehen zwar so genannte Monofraktionen aus Folien, Flaschen und Bechern. Doch diese Kunststoffe sind nicht sortenrein. Eine Zahnpasta-Tube ist eben nicht unbedingt aus dem gleichen Material wie ein Joghurtbecher.

Beim Zusammenschmelzen entsteht dann ein Gemisch aus Farben, Additiven und Weichmachern. Daraus lassen sich nur einfachere Produkte wie Abfalleimer, Kabelrohre oder Parkbänke herstellen. Umweltverbände monieren, die Parkbank aus recyceltem Kunststoff sei energetisch Unsinn, wenn sie lediglich Holz oder Beton als Werkstoff ersetzt. Denn die in Kunststoff gebundene Energie sei wesentlich höher als die in anderen Materialen.

Das ursprüngliche Ziel hat das Duale System nicht erreicht: Die Verpackungsflut erheblich zu reduzieren. Die gestiegenen Kosten für den Grünen Punkt beim Endverbraucher hatten einen Anreiz zur Abfallvermeidung geben sollen. Tatsächlich sind die Abfallmengen in den 90er Jahren jedoch nur um 3,6 Prozent zurückgegangen.

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