Kultur : Zwei Nasen tanken Oper

Ein bißchen bewegend war das schon, wie Hans-Jochen Genzel die Filmversion von Walter Felsensteins legendärer Inszenierung der Offenbachschen "Hoffmanns Erzählungen" von 1970 ankündigte: "Was wir sehen werden ist Vergangenheit.Nur das Theater ist immer Gegenwart." So spricht einer, der unerschütterlich an die Kraft der "Einmaligkeit jedes Abends" glaubt, der mit Bühnen-Erlebnissen Menschen bewegen, formen, geistig voranbringen will."Das hier ist keine von diesen TV-Opern, wie man sie heute kennt, wo einfach nur die Kamera draufgehalten wird.Hier wird eine Theaterkonzeption überliefert." Bis zum vergangenen Sommer war Hans-Jochen Genzel Chefdramaturg an der Komischen Oper.Aus so einer Position geht man nicht einfach in den Ruhestand.Wer den 1975 verstorbenen Gründer der Komischen Oper, Walter Felsenstein, noch bei der Arbeit erlebt hat, hört nicht ohne weiteres auf, für die Ideen des Musiktheater-Meisters zu werben.So betreut Genzel in der Urania eine Filmreihe, die die Erinnerung an "Exemplarische Inszenierungen der Komischen Oper" lebendig halten will.Der "Hoffmann"-Film (siehe Foto), der zwölf Jahre nach der Premiere der Oper in der Behrenstraße für das DDR-Fernsehen produziert wurde, war ziemlich leicht zu beschaffen.Nach dem Mitschnitt von Götz Friedrichs vielgepriesener Produktion aus dem Jahr 1971 von Massenets "Don Quichotte", die am 7.März um 16 Uhr gezeigt wird, mußte Genzel dagegen erst mühsam im Deutschen Rundfunkmuseum fahnden.Ebenso wie nach der Interpretation des "Mahagonny"-Songspiels von Joachim Herz aus dem Jahr 1977, deren Vorführung am 14.3., 16 Uhr, zum Vergleich mit der neuen Krämer-Inszenierung des Stücks an der Deutschen Oper herausfordert.Den Abschluß der Reihe bildet (vorerst) Harry Kupfers Uraufführungsproduktion der Oper "Judith" von Siegfried Matthus am 28.März, ebenfalls um 16 Uhr.Alle drei Regie-Erben Walter Felsensteins werden übrigens höchstselbst bei der Vorführung ihrer Arbeiten anwesend sein (Kartenvorverkauf unter 218 90 91).Bei "Hoffmanns Erzählungen" saßen am vergangenen Sonntag der Regisseur der Filmfassung, der damalige Chordirektor und mehrere Chorsolisten von damals im Publikum, um die superschrillen Rüschplüschkostüme des Olympia-Aktes zu bestaunen, aber auch die enorme schauspielerische Präsenz der beherzt agierenden Sängerdarsteller.Selbst auf der Leinwand wird hier jene faszinierende, packende Intensität spürbar, wie man sie auch heute noch an den besten Abenden in der Komischen Oper erleben kann.Wer das gute alte Musiktheater sehen will, hat (noch) die Auswahl zwischen Original und Dokument: Die Legende lebt weiter. F.H.

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