Kultur : Zwei Weise aus Asien

NEUE MUSIK

Tobias Lehmkuhl

Als am Mittwochabend das Transonic - Festival im Haus der Kulturen der Welt zu Ende ging, standen noch einmal zwei ungewöhnliche Instrumente im Mittelpunkt: Die Shô, eine 4000 Jahre alte japanische Mundorgel, und ihre chinesische Tochter, die Sheng. Äußerlich haben sie keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeinem der klassischen europäischen Instrumente. Die Sheng sieht aus wie eine Pfeife, nur das der Kopf einen halben Meter hoch ist und kein Rauch aus ihm aufsteigt. Ihr Aufsatz, an dem lauter kleine Klappen angebracht sind, erinnert an den Papsthut oder Breughels Babelturm. Die Shô sieht zierlicher aus, hat fast keinen Hals und der Kopf ist pyramidenförmiger angelegt. Der Klang der beiden Instrumente ist allerdings vertrauter, als man denkt. Zuerst meint man eine dieser nervtötenden Kindermundorgeln aus Plastik zu hören. Dann aber kommt eine Verwandte des Bandoneons zum Vorschein: warme Schwellklänge, krachende Akkorde, kreischende Tonsplitter. Alles hallt und vibiriert und große Klangblöcke schieben sich übereinander, bringen das Trommelfell schließlich so durcheinander, dass man Töne zu vernehmen glaubt, die unmöglich auf der Bühne produziert sein können.

Musik von vorgestern? Im Zusammenspiel der Shô- und Sheng-Künstler Wu Wei und Kô Ishikawa mit dem Ensemble N–ER überrascht einen dann doch, wie gut sich die alt-asiatische Instrumentierung in moderne Klangvorstellung einpasst.

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