Arte-Trilogie über Stereotype : Burger und Bauchtanz

Können eine Amerikanerin und eine Araberin Freundinnen werden? Im Film "Just like a woman" brechen Marilyn und Mona nach Las Vegas auf - und merken, dass sie Vorurteilen nicht entkommen können.

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Unterwegs. Mona (Golshifteh Farahani, l.) und Marilyn (Sienna Miller). Foto: Arte
Unterwegs. Mona (Golshifteh Farahani, l.) und Marilyn (Sienna Miller). Foto: ArteFoto: © Roger Arpajou/3B Productions

Für Marilyn ist es ein Tag zum Davonlaufen. Erst findet die Amerikanerin ihren Arbeitsplatz abgeräumt vor („Das ist die Rezession!“), dann ertappt sie ihren Mann mit seiner Affäre. Also macht Marilyn (Sienna Miller) genau das: Sie läuft davon. An ihre Seite nimmt sie Mona (Golshifteh Farahani), die marokkanische Verkäuferin aus dem Laden um die Ecke. Mona hat ihre eigenen Probleme: Ständig liegt ihr die Schwiegermutter in den Ohren, dass sie doch endlich schwanger werden soll – bis Mona sie versehentlich vergiftet und Chicago ebenfalls verlassen will. Zwei Frauen, zwei geplatzte Lebensentwürfe: Die arrangierte Ehe, die Liebesehe, „was macht das schon für einen Unterschied?“, fragt Marilyn. Gemeinsam brechen sie auf nach Las Vegas, um an einem Wettbewerb im orientalischen Bauchtanz teilzunehmen.

Was der Beginn eines unbeschwerten Road Movies sein könnte, wird in „Just like a woman“ zum nachdenklichen Melodram. Lange Einstellungen, Panoramaaufnahmen und intensive Dialoge dienen darin der Charakterzeichnung. Die iranische Schauspielerin Farahani mimt die unsichere Mona so glaubhaft, dass sie für ihre Darstellung den Fernsehfilmpreis von La Rochelle bekam.

Das Gefühl der Befreiung, das andere Road Movies prägt, verbreitet der Film von Rachid Bouchareb nicht. Der Regisseur sieht „Just like a woman“ als ersten Teil einer geplanten thematischen Trilogie über das Verhältnis Nordamerikas zur arabischen Welt. Zuvor hatte der Franzose mit algerischen Wurzeln die arabische Perspektive auf Europa aufgewandt, etwa in „Tage des Ruhms“ (2006), der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte. In seiner Darstellung der USA spart Bouchareb nicht an Kritik. Arbeitslosigkeit, die kollektive Sehnsucht nach einem Feind und private Abgründe sind es, was seine USA kennzeichnet. Las Vegas – die lockende „Stadt der Sünde“ – erreichen seine Protagonistinnen gar nicht erst.

Mehr noch als die Bestandsaufnahme der USA vermittelt der Film die Situation der dort lebenden Muslime. Dass ein Miteinander von Amerikanern und Arabern möglich ist, zeigt die Freundschaft von Marilyn und Mona. Doch auf der Reise gibt es kein Entkommen vor den Vorurteilen. Selbst ein Polizist fragt einen antiislamischen Schläger genervt: „Hast du noch nicht von der arabischen Revolution gehört?“ Dann ein Schnitt, die Ressentiments bleiben.Christopher Weckwerth

„Just like a woman“, Arte, 20 Uhr 15

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