Medien : "Bild am Sonntag": Neue Inhalte für mehr Geld

Ulrike Simon

Gestern war wieder so ein Sonntag, der der Auflage der "Bild am Sonntag" schlecht bekommt. Zumindest in Berlin: Nass, kalt und grau - da mag man gar nicht gern vors Haus, backt lieber Brötchen auf als frische vom Bäcker zu holen, lässt die Beine auf dem Sofa und das Auto stehen, anstatt zur Tanke zu fahren. Und macht man es doch und sieht die "BamS" mal wieder verkehrt herum mit der letzten Seite nach oben im Regal, lockt da die Nachricht, wie das Wetter heute ist. Als hätte man das nicht schon bemerkt. Warum also das Wetter groß auf der letzten Seite der "BamS" bringen? Das fragte sich offensichtlich deren Chefredakteur Claus Strunz. Im ganzen politischen Trubel um Springer hat er anscheinend nebenbei an der Entwicklung der Zeitung gewerkelt.

Das Wetter ist einer letzten Seite mit Vermischtem inklusive großem Foto gewichen, die Mittelseite ist künftig einer optisch großzügig aufgemachten Geschichte gewidmet, dem laut Strunz "optisch, sprachlich und inhaltlich besten Stück". Augenfällig ist der Sportteil, der jetzt streckenweise an italienische Zeitungen erinnert. Die Spielberichte sind kürzer, dafür gibt es mehr Hintergrund und kleinere Elemente wie das "Blitz-Interview". Einiges erinnert an die tägliche Sportzeitung "AS", die Sportchef Alfred Draxler vor ein paar Jahren entwickelte, die aber nie erschien. Neuer "BamS"-Kolumnist und damit Gegenspieler zu "Bild"-Schreiber Franz Beckenbauer ist Paul Breitner.

Noch wirkt der neue Sportteil wie ein Fremdkörper im Blatt. Doch das sei "der Prototyp" für die weitere Entwicklung, sagt Strunz. Nachdem der 1996 eingeführte "Magazin"-Teil schon abgeschafft ist und auch die sehr unterschiedlichen Logos für einzelne Ressorts wie "Show & TV" oder "Computer" verschwunden sind, will Strunz im nächsten Schritt das Blatt neu strukturieren. Jedes Ressort soll eine eigene Aufschlagseite mit eigenem Rubrikenkopf und einem großen Foto bekommen.

Mit dem Sportteil sei der Anfang gemacht, um "Modernität" ins Blatt einkehren zu lassen, sagt Strunz: "Wir haben ja die Erstverwertungsrechte für Print", und der Sport ist ausschlaggebend für den Kauf der Zeitung. Und für die müssen die Leser seit gestern auch mehr zahlen: 2 Mark 40 und damit zwanzig Pfennige mehr.

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