Medien : Der Verbindungsmann

Zum 65. Geburtstag von Hubert Burda, dem „Sohn vom Chef“, der heute Herr über 240 Zeitschriften ist

Ulrike Simon

Von wegen „am Aschermittwoch ist alles vorbei“ … Verleger Hubert Burda, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, sagt, er denke nicht ans Aufhören. Mindestens fünf Jahre will er noch im Vorstand und damit an der Spitze des von seinem Großvater gegründeten Verlages bleiben. Dass Burda gerade von Springer „Journal für die Frau“ und Anteile an „TV Today“ gekauft, bei der Verlagsgruppe Milchstraße endgültig das Sagen übernommen und vor wenigen Tagen einen Rekordgewinn gemeldet hat, darf symbolisch verstanden werden – für die (Ertrags-)Kraft des Verlags und die (Handlungs-)Dynamik des Verlegers. Beides soll anhalten. Burda hat mit seinen 7500 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro „das beste Ergebnis seiner mehr als hundertjährigen Firmengeschichte erzielt“ und plant in diesem Jahr Investitionen ins Internet, ins Print-Geschäft im In- und Ausland und in eine neue Tiefdruckerei.

Ist der Mann, auf den 1974 die Wetten 1:100 standen, dass es „der Sohn vom Chef“ schafft, also gerade erst am Zenith seiner Laufbahn angekommen?

Burda ist der letzte eigenständige Verlag, an dessen Spitze kein Management, sondern ein Nachkomme des Verlagsgründers steht. Hubert Burda ist der Patriarch. Er mag bewundert, beneidet oder belächelt werden. Er bleibt per Geburt unangreifbar. Nach dem Tod seines Sohnes Felix im Jahr 2001 hatte es den Anschein, als habe er sich aus dem Verlagsgeschäft zurückgezogen. Seit ein, zwei Jahren mischt er sich wieder mehr denn je ins operative Geschäft ein. Mehr, als manchem lieb ist.

Hubert Burda, der Meister des Ausgleichs, regiert seinen Verlag nach dem Prinzip Teilen und Herrschen. Hier Helmut Markwort, der in München als erster Journalist des Hauses waltet, mit „Focus“ Burda erst zum anerkannten Verleger gemacht hat und nun überraschend dazu auserwählt wurde, die Baustelle Hamburg in Ordnung zu bringen; dort der Schulfreund Jürgen Todenhöfer, der aus der Politik kommende Manager, der die Druckereien sanierte, die Profit-Center-Struktur einführte, für eine solide wirtschaftliche Basis sorgt und ein besonderes Auge für den Standort Offenburg hat. Markwort und Todenhöfer konkurrieren auf einer Ebene. Darüber ist nur einer: Burda, der stets auf die Verbindung von Gegensätzlichem achtet. Ähnlich konkurrieren die Standorte. In München erscheinen die Imagebringer, „Focus“, „Bunte“, „Instyle“ und „Playboy“. Sie sollen Ruhm, Glanz und Anzeigenerlöse bringen. In Offenburg erscheinen profitable Blätter wie „Lisa“, „Freizeit Revue“ und „Mein schöner Garten“. München, das ist die Stadt, in der Hubert Burda als Kunststudent flügge wurde und wohin er 1983 die Redaktion der „Bunten“ verlegte. Offenburg im beschaulichen Baden ist seine Heimatstadt und die Keimzelle des Konzerns, für die er sich engagiert und in der er den Medien Park bauen ließ. Hubert Burda vereint Gegensätze auch in sich selbst. Er ist bodenständig wie Baden und liebt den Glamour Münchens. Er schaut regelmäßig in seinen, wie er sagt, „Betriebsstätten“ vorbei und redet mit den einfachen Angestellten, gern in seinem badischen Dialekt. Der Präsident der Deutschen Zeitschriftenverleger verfällt jovial ins Englische und Lateinische, wenn er über Kunst und Kommunikation, die Macht der Bilder, die Verbindung von linker und rechter Gehirnhälfte, über High-Tech-Zentren, Communities und seine Treffen mit Andy Warhol, Bill Gates und anderen Persönlichkeiten der Welt-Elite philosophiert. Er verleiht den Bambi, die „Goldene Henne“ und auch den Petrarca-Preis. Der Schöngeist Burda, stets auf der Suche, wirkt warmherzig, liebenswürdig, schelmisch, dann entrückt, fast schrullig, visionär, schwer greifbar und irgendwie einsam. Wohin er geht, ist die höfische Entourage, von der man nicht immer weiß, wie ehrlich sie es meint, nicht weit. Burda ist nicht gern allein – außer, er steht am Rednerpult und erklärt in einer seiner ausschweifenden Vorlesungen seine Gedankenwelt.

Diese innere Zwietracht hat Burda von Haus aus mitgebracht. Seine Mutter Aenne war mit ihren Schnittmusterbögen von „Burda Moden“ geschäftstüchtiger als Vater Franz, den alle den „Senator“ nannten. Er verdiente sein Geld mit den Druckereien, gründete zu deren besseren Auslastung die Illustrierte „Bunte“ und überließ sie 1976 seinem jüngsten und kleinsten Sohn Hubert, den fast alle – aber allen voran der Vater – gering schätzten.

Der Kunsthistoriker hat es geschafft. Vergessen die Millionen, die er versenkte und die Schmach, die er einsteckte für sein erstes eigenes Projekt, das Männermagazin „M“, für das Wirtschaftsmagazin „Forbes“, das Webportal „Europe Online“, die ostdeutsche „Super“-Zeitung oder das Frauenmagazin „Vivian“. Hubert Burda, der Unterschätzte, ging 1997, bei der Realteilung des Erbes mit seinen beiden Brüdern, als der Sieger hervor. Auf 240 Zeitschriften und Zeitungen in 27 Ländern, Online-Portale, TV-Formate, Internet-Dienstleistungen, Radiosender und Druckereien ist das Unternehmen angewachsen. Seit 1999 heißt der Burda- Verlag nicht mehr Burda-Verlag, sondern Hubert Burda Medien. Doch wie Axel Springer, Reinhard Mohn, Rudolf Augstein und Gerd Bucerius, so steht auch Hubert Burda vor der Frage, wie die Zukunft dieses Erbes aussehen soll. Die Kinder aus der Ehe mit der Schauspielerin Maria Furtwängler, 13 und 15 Jahre, sind zu jung, die heutigen Verlagsvize im Vorstand, Markwort und Todenhöfer, sind zu alt. Angeblich hat Burda das Modell bereits im Kopf. Wahrscheinlich beruht auch dieses auf dem Prinzip der Gegensätzlichkeit.

Zunächst gilt es, die Hamburger Baustelle Milchstraße mit ihrem Bauchladen aus „Fit For Fun“, „Cinema“, „Tomorrow“, „Max“, „Amica“ und „TV Spielfilm“ in Ordnung zu bringen. Manche Titel würden gut nach Offenburg passen, andere nach München. Möglich, dass das eine oder andere Blatt eingestellt wird. In Hamburg rätseln die Mitarbeiter, warum es so lange dauert, bis Burda seine Pläne offenbart. Vor Mitte Februar könne man nichts sagen, heißt es aus München. Es könnten schlechte Nachrichten sein. Sie werden aufgehoben für die Zeit nach der Feier zum 65. Geburtstag des Verlegers.

Hubert Burda, der Kleinste von drei Brüdern, wächst in Offenburg auf. Mutter Aenne , heute 95, feiert damals größere Erfolge als Vater Franz, „der Senator“ . Schon als junger Mann arbeitet Hubert Burda mit Helmut Markwort . Gemeinsam gründen sie 1993 „Focus“ .

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