Medien : Pommes ohne alles

Springer plant eine Fußballzeitung am Sonntag – und beschädigt damit die „BamS“

Ulrike Simon

Die Idee ist nicht neu, aber noch nie traute sich jemand, sie umzusetzen. Es ist der Traum von einer täglichen Sportzeitung, so wie es Italien mit „Corriere dello sport“ und „Gazzetta dello sport“ gleich zwei gibt. Warum sollte so etwas nicht auch in Deutschland funktionieren? Das hat sich Alfred Draxler schon vor Jahren gefragt. Draxler ist beim Springer-Verlag die Nummer 1 in Sachen Sport. Er verantwortet als Mitglied der Chefredaktion von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ die gemeinsame Sportberichterstattung beider Blätter. Unter dem Arbeitstitel „AS“ – die Initialen des Verlagsgründers – entwickelte er Ende der 90er Jahre eine Sportzeitung mit Schwerpunkt Fußball, die in der Marktforschung zwar gut ankam. Aber die Idee einer Sportzeitung scheiterte stets an einem Punkt: Wie sehr würde das der „Bild“ schaden? Nicht wenige kaufen und lesen die Cash-Cow des Springer-Verlages schließlich nur wegen des Sports. „AS“ wanderte wieder in die berühmte Schublade zu all den anderen Ideen und Konzepten für neue Zeitschriften und Zeitungen, die es nicht an den Kiosk schaffen. Die Idee war trotzdem nicht totzukriegen. Harald Kuppek, Chefredakteur von „Computer Bild“, war der nächste, der sich Gedanken über so ein Blatt machte. Nicht täglich, sondern sonntags sollte es erscheinen. Aber da gibt es „Bild am Sonntag“ („BamS“) die zurzeit sowieso mit Auflagenproblemen kämpft. 2,37 Millionen Exemplare verkaufte sie im dritten Quartal – 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Und der Anteil jener, die „BamS“ nur wegen der 24 Seiten Sportberichterstattung kaufen, dürfte noch höher liegen als bei „Bild“. Alle Sonntagszeitungen sind sich der Bedeutung des Sports als Verkaufsargument an diesem Tag sehr bewusst.

Kuppek entwickelte vor zwei Jahren trotzdem so eine Fußballzeitung am Sonntag und nahm dabei größte Rücksicht auf „BamS“. Sie kostet mittlerweile 1 Euro 30, bietet Hintergrundberichte und Homestories. Unterhalb dieses preislichen und inhaltlichen Niveaus müsste also eine Nische entstanden sein für ein Blatt, das mit der heißen Nadel gestrickt ist und über alles schreibt und alles meldet, was sonnabends auf den Fußballplätzen in Deutschland und der Welt passiert ist. „Pommes“ nannte er das Blatt – ein mehr oder minder sinnloser Arbeitstitel, so wie „Focus“ vor zehn Jahren unter dem Namen „Zugmieze“ entwickelt wurde.

Mittlerweile ist dem Verlag bewusst geworden: Wenn Springer so ein Blatt startet, dann nicht mit gebremster Energie und Rücksicht auf „Bild am Sonntag“. Schließlich gilt auch umgekehrt, was „BamS“-Chef Claus Strunz sagt: „Wenn ein Sport-Titel am Sonntag erscheint, wird ,BamS’ entsprechend darauf reagieren. Dabei darf es keinen Unterschied machen, ob der Titel aus dem eigenen Haus oder von einem Konkurrenten kommt.“ Neben Draxler arbeitet nun auch Pit Gottschalk, der designierte Chefredakteur von „Sport Bild“ an der Idee. Als kürzlich auch der Verlagsgeschäftsführer vor der „Sport-Bild“- Redaktion von „Pommes“ sprach und sagte, die 50-köpfige Mannschaft von „Sport Bild“ würde auch für das neue Objekt zuständig sein – so denn der Vorstand und der Aufsichtsrat das „Go“ geben – ist allen klar: Springer meint es ernst.

48 Seiten wird „Pommes“ dick sein und neben dem Schwerpunkt Fußball (Tabellen, Videoprints, Technisches) auch andere Sportarten einbeziehen. Schließlich gibt es neben den 34 Spieltagen auch 17 ohne Fußball, aber dafür mit Formel 1 und anderem mehr. Bei einer Sitzung am vergangenen Mittwoch beschlossen „BamS“-Chef Claus Strunz, Vorstandschef Mathias Döpfner, Draxler und Gottschalk, vom kommenden Montag an eine erste Nullnummer zu entwickeln. Ende des Jahres will Döpfner sie präsentiert bekommen, danach wird entschieden, ob es drei Jahre vor der WM in Deutschland eine „Sport am Sonntag“ geben wird.

Sollte sie 300 000 oder gar 500 000 Exemplare verkaufen und sollten weder „BamS“ noch die Montagsausgabe von „Bild“ dadurch gravierend Auflage verlieren, dann würde die Rechnung für Springer aufgehen.

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