• TV-Talk "Anne Will" zur Bundestagswahl: Gewinnt Aussitz-Merkel, Schweige-Merkel oder Auto-Merkel?

TV-Talk "Anne Will" zur Bundestagswahl : Gewinnt Aussitz-Merkel, Schweige-Merkel oder Auto-Merkel?

Angesichts der SPD-Umfragewerte scheint die Bundestagswahl schon entschieden. Anne Wills Gäste wanden sich trotzdem bei der Frage "Merkel oder Merkel?"

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Hat Deutschland nur die Wahl Merkel? Talkgastgeberin Anne Will (Mitte) und ihre Gäste
Hat Deutschland nur die Wahl Merkel? Talkgastgeberin Anne Will (Mitte) und ihre GästeFoto: dpa/NDR/Wolfgang Borrs

Hat Deutschland nur diese Wahl? Kaum ist sie aus der Sommerpause zurück, hätte Anne Will Pech haben können: Dann, wenn ihre Talk-Gäste einhellig alle mit "Ja" geantwortet hätten. Ein "Ja" zu "Merkel oder Merkel" - übersetzt: "Gewinnt Angela Merkel die Wahl?" wäre ehrlich und realistisch gewesen - hätte dem einstündigen ARD-Talk aber nicht geholfen.

Ja, Teflon-, Aussitz- und Schweige-Merkel gewinnt vermutlich die vierte Wahl in Folge und holt damit regierungstechnisch Ziehvater Helmut Kohl ein. Merkels SPD-Konkurrent Martin Schulz scheint und ist laut Umfragewerten abgeschlagen. Aber diese Prognose aussprechen? Das wäre zu viel verlangt.

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, hatte mit Anne Wills Prognose logischerweise die geringsten Probleme. Für ihn hieße das: Mutti macht, alles bleibt so, wie es ist. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann verwies da schon energischer darauf, dass "Merkel keine Zukunftsidee habe". Problem: Die Visionen seines Kanzlerkandidaten Martin Schulz blieben ebenso im Nebel und wurden kaum angesprochen. Was würde Schulz anders, neu, besser machen? "Merkel hat keinen Plan." Und die SPD? Aha.

AfD scheint nur ein Thema zu haben

Zeit für Alice Weidel mit Hornbrille, Mitglied des AfD-Bundesvorstands. "Die AfD bewegt Nichtwähler" - zu den Wahlurnen - behauptete sie, und hofft, als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzuziehen. Woraufhin sie samt Partei sofort einen Untersuchungsausschuss gegen die derzeit amtierende Kanzlerin initiieren würde - da Angela Merkel eine rechtlich nicht genehmigte Flüchtlingspolitik verfolge. Das blieb Weidels stärkster Punkt. Der Zuschauer merkte deutlich: Der programmatische Hauptpunkt der AfD sind Flüchtlinge. Bei anderen Fragestellungen scheint die Partei keine Haltung zu haben. Oder: Weidel hat sie nicht sonderlich engagiert vertreten.

Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, sieht seine Rolle ganz anders. Auch er will Angela Merkel den Schneid abkaufen, ist sich allerdings bewusst, dass er und seine Partei maximal als Koalitionspartner in Frage kommen. "Es geht nicht darum, eine Regierung zu diskreditieren", sagte er Richtung Alice Weidel und erntetet dafür großen Studio-Applaus. Stattdessen würde er die Arbeit der Bundesregierung modifizieren, verbessern, wo es notwendig sei. Ein kleiner Flirt mit Volker Kauder war drin, denn der schloss "die Dame" - AfD-Weidel - als Koalitionspartner definitiv aus. Thomas Oppermann wiederum hielt die große, schwarz-rote Koalition auf Jahre gesehen nicht für sinnstiftend. Es stellt sich die Frage: Was bleibt? CDU/CSU? Und - die große Unbekannte?

Zum Schluss dann dies und das

Gegen Ende verlor sich der Talk in Einzelschauplätzen, allen voran: Die Abgas-Affäre. Anne Will segnete Angela Merkel mit dem neuen Spitznamen "Auto-Merkel" und spielte dezent darauf an, dass die Kanzlerin die prekäre Situation aussitze. "Ich würde ganz gerne auf den Verbrennungsmotor kommen" - ja, ein derzeit wichtiges Thema - das allerdings wenig damit zu tun hat, ob Merkel die Wahl gewinnt oder nicht. Die Deutschen vergöttern ihr Auto, fahren es zum Einkaufen oder in die Waschanlage und jagen es über die Autobahn wie die Besessenen. Auch in Sachen Abgas bekäme da kaum ein Kanzler großes Gehör, so viel er sich auch bemühte.

Alice Weidel wollte umgehend wissen, warum die Konzentration von schädlichen Stoffen in Büroräumen wesentlich höher sei als draußen auf den Straßen, sogar in Innenstädten. Nicht einmal Volker Kauder traute sich mit Wind, Wetter und schlechter Raum-Belüftung zu argumentieren - sein Stab schien ihm nötige Zahlen nicht an die Hand gegeben zu haben. Andererseits: Wer sollte vorher auch wissen, dass sich eine "Wer-wird-Kanzler"-Debatte komplett zu einer Abgas-Diskussion dreht?

Weidels Frage blieb unbeantwortet, mit viel Glück liefert der Recherchedienst der AfD die Informationen - wenn er sich nicht gerade mit Flüchtlingskriminalität beschäftigt, die laut Weidels Aussage enorm gestiegen ist - und der die AfD Einhalt gebieten will. Ebenso unbeantwortet blieb natürlich die Frage: Merkel oder Merkel? Wen will der Durchschnitts-Deutsche wählen? Teflon-Merkel, Aussitz-Merkel, Schweige-Merkel oder Auto-Merkel?

So sehr sich die Diskutanten auch wanden: Die Frage scheint längst entschieden zu sein.

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