Medien : Zwischenlösung

Andreas Petzold löst bei „Park Avenue“ den erfolglosen Alexander Graf von Schönburg ab

Ulrike Simon

Die Situation war längst untragbar. Es war nur eine Frage der Zeit, wann Gruner + Jahr dem Treiben ein Ende bereitet. Am Dienstagmittag war es so weit. Der Verlag teilte mit, dass Alexander Graf von Schönburg die Chefredaktion von „Park Avenue“ mit sofortiger Wirkung abgibt, angeblich aus freien Stücken. An seiner Stelle übernimmt Andreas Petzold die Führung des Blattes. Seine Aufgaben als Chefredakteur des „Stern“ neben Thomas Osterkorn und Herausgeber des Jugendmagazins „Neon“ behält Petzold bei.

Die Lösung ist eine vorläufige, unter den gegebenen Umständen aber wohl die beste. Wen auch immer G + J gefragt hatte – Hajo Schumacher („Spiegel“, „Max“), Christoph Amend („Zeit“) und andere –, niemand war bereit, sich die Chefredaktion von „Park Avenue“ anzutun. Von Anfang an stand das als innovativ und anspruchsvoll deklarierte Gesellschaftsmagazin unter einem schlechten Stern.

Der Journalist Holger Christmann hatte lange am Konzept eines Gesellschaftsmagazins gebastelt, bis es im Verlag endlich Interesse fand. Als es 2005 so weit war, wollte man ihn loswerden, wählte dafür aber nicht gerade die eleganteste Lösung. Interesse an so einem Magazin hatte der Verlag vor allem aus einem Grund: Er wollte ein Magazin, mit dem sich Anzeigen für Luxusprodukte akquirieren lassen. Genau das merke man „Park Avenue“ an, meinte vor einigen Monaten der Schweizer Verleger Michael Ringier: „Park Avenue“ verdanke sein Entstehen mehr strategischen denn journalistischen Gründen.

G + J tat viel, um diesen Kreis von Anzeigenkunden zu erschließen, die zugleich als Leser von „Park Avenue“ angesprochen werden sollen. Um sie zu umgarnen, organisierte Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz glamouröse Veranstaltungen, hinterließ mit seinem kumpeligen Auftreten allerdings nicht immer den besten Eindruck bei den Vertretern der Luxusmarken.

Ein weiteres Problem ist das Personal, das für „Park Avenue“ rekrutiert wurde. Da ist zum einen Klaus Liedtke, ein verdienter Journalist mit honorigem, weltläufigem Erscheinungsbild. Der frühere Co-Chefredakteur des „Stern“ war lange „zbV“, zur besonderen Verwendung, und kümmerte sich nur noch um die deutsche Ausgabe von „National Geographic“, als der 62-Jährige nun als Herausgeber an die Seite des unerfahrenen Schönburg gestellt wurde. Der 37-Jährige Bruder von Gloria von Thurn und Taxis wiederum sollte als eine Art Florian Illies mit Adelstitel „Park Avenue“ ein jugendlich-prominentes Antlitz verleihen. Doch allzu oft trieben sein Verhalten und seine unüberlegten öffentlichen Bemerkungen dem Verlagsgeschäftsführer Bernd Klosterfelde die Zornesröte ins Gesicht. Der 62-Jährige war völlig unerwartet dazu berufen worden, sich um das neue Hochglanzmagazin zu kümmern, und sah sich zuletzt Ende Juni zu der Mitteilung genötigt, „Park Avenue“ sei nicht von der Einstellung bedroht. Den offiziellen Angaben zur Auflage (70 000 Exemplare, viele davon gratis verteilt) stehen von Insidern kolportierte Verluste in Höhe von 600 000 Euro pro Heft gegenüber. Wenig Verständnis gab es daher, wenn „Park Avenue“ Geschichten produzierte, die der „Stern“ zuvor wegen zu hoher Kosten abgelehnt hatte. Hinzu kam die Führungslosigkeit in der Redaktion. Texte wurden ohne ersichtlichen Grund mehrfach umgearbeitet, Entscheidungen traf, wer anwesend war, und mancher aus der Truppe um Schönburg nahm sich Dinge heraus, die andernorts undenkbar wären. Letztlich überzeugten auch die Inhalte nicht wirklich, oftmals wog der Bohei um sie schwerer. Die Liste derer, die entnervt kündigten, wurde immer länger, die Presse schlechter – und ebenso das Image bei den Anzeigenkunden.

Das alles muss nun Petzold, 51, richten, einer „der renommiertesten Journalisten des Hauses“, sagte Vorstandschef Bernd Kundrun gestern. Mit seiner Berufung „unterstreichen wir die Absicht, die journalistisch anspruchsvolle Innovation ,Park Avenue‘ dauerhaft zum Erfolg zu führen“. Bis eine neue Redaktionsführung gefunden ist, muss „Park Avenue“ zudem den Beweis erbringen, dass es in Deutschland den Bedarf für so eine Art von Gesellschaftsmagazin gibt. Schon lauert der Condé Nast Verlag um die Ecke: Für ihn entwickelt Ulf Poschardt in Berlin die deutsche Ausgabe von „Vanity Fair“.

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