Meinung : … China

Harald Maass

erklärt, warum die Olympiasieger aus dem Reich der Mitte die Macht der Kommunisten stützen Rote Flaggen und Tränen bestimmen in diesen Tagen das Fernsehprogramm in China. Jeder Erfolg der chinesischen Athleten in Athen wird in den Staatsmedien als nationales Ereignis zelebriert. Siegreiche Chinesen, die bei der Medaillenvergabe minutenlang in die Kamera weinen. Endlose Flaggenzeremonien. Jubelszenen. Die Olympiade wird als nationalistische Leistungsschau gefeiert. Sport ist in China mehr als nur Unterhaltung. Pekings Führer benutzen sportliche Wettkämpfe immer auch als politische Metaphern. „Trainiert die Körperkräft, und kämpft gut gegen die Japaner“, erklärte der Große Vorsitzende Mao im Befreiungskrieg gegen Japan. In den 70ern nutzte Peking Tischtennisturniere zwischen China und den USA, um die politischen Beziehungen zu Washington zu verbessern. Die Wettkämpfe gingen als Ping-Pong Diplomatie in die Geschichte ein.

Chinas Erfolge sind von Peking politisch gesteuert. Die jungen Chinesen, die bei den Medaillenvergaben scheu vom Podium winken, sind das Produkt einer riesigen Sportmaschinerie. Oft schon im Kindergartenalter ausgewählt, werden sie in staatlichen Sportschulen zu Höchstleistungen getrimmt. Gefördert wird nur die Elite. Deren Ziel ist, Medaillen für den Ruhm des Vaterlandes zu gewinnen, egal um welchen Preis. Immer wieder wurden in der Vergangenheit chinesische Sportler des Dopings überführt. Auch heute haben viele der Sportlerinnen auffallend tiefe Stimmen und Oberlippenbärte.

Die Erfolge sind Teil einer Nationalismus-Kampagne, mit der die Führung das ideologische Vakuum füllt. Der Sozialismus, der zwar noch in der Verfassung steht, ist längst durch einen Manchester-Kapitalismus abgelöst. Der Kitt, mit dem die Partei die Gesellschaft zusammenzuhalten versucht, ist der Nationalismus. Die Liebe zum Vaterland wird gleichgesetzt mit der Liebe zur Partei. Schon als Kinder lernen Chinesen, wie Soldaten zu marschieren. Die nationalistische Propaganda zieht sich bis zum Studium durch. So ist Olympia mehr als nur ein Sportwettkampf. Wenn Chinas Staatsmedien den Medaillenspiegel aus Athen einblenden, dann spielt da auch Genugtuung mit. Endlich ist das Reich der Mitte wieder da, wo es hingehört: auf Augenhöhe mit den USA. Hinter alldem steckt das Weltbild einer autoritären Führung. Wie den Sport würden Pekings Mächtige gerne das ganze Land regieren. In Athen gab es Pressekonferenzen, die kommunistischen Parteitagen glichen und bei denen Funktionäre emotionslos die erbeuteten Medaillen aufzählten. Diese Bilder sind jedoch ein Klischee, das mit Chinas Realität immer weniger zu tun hat.

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