Meinung : … Frankreich

Sabine Heimgärtner

über einen Kronprinz mit Eheproblemen Die meisten Franzosen erinnern sich an die Hochglanz-Fotoserie im Magazin „Paris Match“ vor zwei Jahren, die den damaligen Innenminister Nicolas Sarkozy und seine elegant-sportliche Ehefrau Cecilia übermütig tobend am Strand von La Baule in der Bretagne zeigte, mit der eindeutigen Botschaft: Seht her, wir haben es geschafft, Liebe und beruflichen Erfolg unter einen Hut zu bringen.

Nun, ausgerechnet im Stress des französischen EU-Referendums und vor entscheidenden innenpolitischen Umwälzungen, bei denen der Vollblutpolitiker Sarkozy, heute Vorsitzender der Chirac-Partei UMP, die Chance hätte, neuer Regierungschef zu werden, scheint das seit fast zwanzig Jahren verheiratete Dream-Team à la Kennedy-Clan am Ende zu sein. Seit Tagen berichten die Medien ausführlich über das Beziehungsdrama der beiden Prominenten, die angeblich am 12. Mai zum letzten Mal gemeinsam öffentlich auftraten. Frankreichs Bevölkerung reagiert, je nach politischer Couleur, mit Schadenfreude oder Mitleid.

Zu Zeiten des Foto-Shootings im bretonischen Sand arbeitete das Paar eng zusammen. Cecilia wich ihrem Gatten keine Minute von der Seite, nahm an Kabinettssitzungen teil und schmiss den Haushalt mit vier Kindern – mit Hilfe von Haushälterinnen, Kindermädchen und Videokameras, die direkt in die über dem Ministerium liegende Privatwohnung der Familie geschaltet waren. Die Klatschblätter hatten ihr Futter und die Nation einen neuen Trend: emanzipierte Politikerfrauen, die nicht mehr die „Frau an seiner Seite“ sein wollten, sondern ihre eigenen Karrierevorstellungen entwickelten. Vorbild: Hillary Clinton. Davon ist Cecilia jetzt offenbar abgerückt.

„Wenn Du Deine Frau behalten willst, arbeite mit ihr!“, lautete Sarkozys Geheimtipp, der jetzt zur Karikatur geworden ist. Die Warnlampen hätten eigentlich schon längst aufleuchten müssen, als Cecilia Anfang Mai, angesprochen auf die Ambitionen ihres Mannes, Frankreichs nächster Staatspräsident zu werden, einer TV-Zeitschrift anvertraute, sie sehe sich keinesfalls als „First Lady“. „Ich laufe gerne in Jeans herum, in Militärklamotten oder in Stiefeln und passe nicht in dieses Schema.“ Während sich ihr Mann auf den Wahlkampfbühnen für ein Ja zur EU-Verfassung abstrampelte, wollten Paparazzi seine Cecilia in Jordanien gesehen haben, andere mit einem französischen Werbefachmann in New York, wo Cecilia nach eigenen Aussagen „in zehn Jahren durch den Central Park joggend“ leben will. Ihr ehrgeiziger Gatte hält davon offenbar wenig.

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