Meinung : … Indonesien

Moritz Kleine-Brockhoff

über den Bali-Bomber, der bei „Starbucks“ unbeschwert Kaffee trinken darf Indonesiens Polizeisprecher hat es zugegeben: Am Mittwochabend saß Bali-Bomber Ali Imron mit Polizeigeneral Gorries Mere bei Starbucks. Keine Handschellen, einfach so. Einen Kaffee haben sie also getrunken, die Herren, im schicken „PEX“-Einkaufszentrum in Jakarta. Da trinken viele Menschen Kaffee, bestimmt auch Polizisten, vielleicht auch Verbrecher. Aber beide an einem Tisch? Keine kleinen Fische, sondern Bali-Terrorist und hoher Beamter?

Zusammen mit seinen älteren Brüdern Amrozi und Mukhlas gehört Imron zum harten Kern der Bali-Terroristen. Er bastelte vor zwei Jahren eine der Bomben, die auf der Kneipenmeile der Urlaubsinsel Bali 202 Menschen töteten. Er brachte einem Selbstmordattentäter bei, wie man Sprengstoff in einer Weste detoniert. Das gelang später in der „Paddies-Bar“. Ali Imron fuhr auch den Bus mit der Riesenbombe zur Legianstraße. Dort übergab er das Steuer an einen anderen Selbstmordattentäter, Imron stieg aus und rannte weg. Minuten später, als der Bus vor den überfüllten „Sari Club“ gerollt war, explodierte er. Bis zum Schuldrama dieser Woche in Südrussland war das der schlimmste Terroranschlag seit dem 11. September. Imron wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Und nun lässt sich der Massenmörder im Einkaufszentrum von der Polizei zum Kaffee einladen. In dem Laden hat man einen guten Überblick. Rechts liegt das „Hard Rock Cafe“, geradeaus ein Kino, links die Rolltreppen zur unteren Etage. Abends ist viel Betrieb, auch indonesische Journalisten bummeln vorbei – ein Zufall oder haben sie einen Tipp bekommen? Imron und Mere sind prominent, die Reporter wundern sich über das gemeinsame Kaffeekränzchen, fragen nach. Rasch stellt sich heraus, dass noch mehr Polizisten da sind. Die Gruppe, alle in Zivilkleidung, macht sich davon. „Ich gehe mit Herrn Mere aus. Das ist ziemlich normal“, ruft der Terrorist noch schnell.

Laut Polizeisprecher war der Ausflug kein Skandal, sondern Taktik. Imron kooperiere bei laufenden Fahndungen. Durch Zückerchen und Bindung zum Ermittler solle er dazu gebracht werden, noch mehr auszupacken. Offenbar durfte noch ein Terrorverdächtiger zu Starbucks, einer, der in der Untersuchungshaft schweigt. Diesen Mann sollte Imron wohl in netter Atmosphäre zur Aussage überreden. Ein Kenner verrät: Die Methode wurde schon oft angewandt, nur ist die Polizei jetzt zum ersten Mal dabei erwischt worden. Viele Indonesier irritiert das mächtig.

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