Meinung : ...und steigt und steigt und steigt

Ursula Weidenfeld

Die Entwicklung des Berliner Immobilienmarktes kann man ohne Übertreibung als atemberaubend bezeichnen. Es ist kaum fünf Jahre her, da bot die Hauptstadt ein Bild des Jammers: Überangebot, kaum Käufer oder Mieter, wenig Geschäft selbst in den besten Lagen. Jetzt ist vieles anders. Das Interesse in- und ausländischer Investoren an großen Wohnungs- und Gewerbeimmobilienpaketen übersteigt das Angebot. Privatinvestoren folgen den Profis. Die Preise steigen. Und wenn heute in Berlin keine städtischen Wohnungen mehr verkauft werden sollen, dann wird das immer seltener sozial begründet, sondern mit den hübschen Einnahmen, die die verbliebenen Wohnungsgesellschaften abliefern. Die Makler vergleichen die Stimmung mit der nach dem Berlin-Umzugsbeschluss des Deutschen Bundestages.

Dabei ist nicht viel passiert – außer, dass die Preise zwischenzeitlich so tief gesunken waren, dass man nichts falsch machen konnte, wenn man einstieg. Das haben Experten aus dem Ausland, die unvoreingenommen auf den Standort sehen und nicht von dem deutschen Berlin-Pessismismus infiziert sind, früh erkannt. Sie haben zuerst erkannt, dass Deutschland – und Berlin – besser sind als ihr Ruf. Und wenn sich die internationalen Investoren einen Platz ausgesucht haben, den sie für unterbewertet halten und dem sie etwas zutrauen, kommt der Zug in Bewegung. In dieser Phase ist der Berliner Markt jetzt. Die Preise bewegen sich auf einem Niveau, bei dem man sich fragen muss, wie die Renditeerwartungen befriedigt und die Kreditverpflichtungen der Investoren bedient werden sollen. Der Leerstand ist, trotz aller Hoffnungszeichen, immer noch beängstigend hoch.

Viele Mieter sollten spätestens jetzt anfangen, sich Gedanken zu machen. Das, was den deutschen, vor allem aber den Berliner Immobilienmarkt lange geprägt hat, wird bald sein Ende finden: jene Mehrheit von Vermietern, die mit Rücksicht auf ihre regelmäßig zahlenden Mieter Zurückhaltung beim Mietzins üben. Dasselbe gilt für Eigentümer von Mietshäusern, die ein Haus oder ein Bürogebäude lange behalten, bevor sie sich wieder davon trennen. Angesichts des Bevölkerungsschwunds muss das nicht schlimm sein – eine neue bezahlbare Wohnung findet man als Mieter wahrscheinlich immer. Doch die Mieter müssen werden, was der Immobilienmarkt in der Globalisierung längst geworden ist: mobil.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben