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50 Jahre Elysée-Vertrag : Heiß und kalt

23.01.2013 15:52 Uhrvon
Merkel und Hollande im Bundestag. Zur Freundschaft gehört, den anderen auf Fehler aufmerksam zu machen.Bild vergrößern
Merkel und Hollande im Bundestag. Zur Freundschaft gehört, den anderen auf Fehler aufmerksam zu machen. - Foto: AFP

Unter Freunden muss man ehrlich sein. Dazu gehören auch unangenehme Wahrheiten. Zum Beispiel diese: Frankreich muss sich entscheiden, ob es lieber zu den europäischen Südländern gehören oder Reformen nachholen will.

Man betont nur, was nicht selbstverständlich ist. Von daher müssen einen die Gunstbezeugungen, unter denen der 50. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages zu ersticken drohte, besorgen. Wer einem wahren Freund zehnmal am Tag versichert, was für ein wahrer Freund er doch sei, stimmt diesen und die Öffentlichkeit misstrauisch. Mit Gefühlen, den großen gar, sollte man weder spielen noch sie anderen vorgaukeln, sondern geizen. Die Vergangenheit, das mühsame Zueinanderfinden, hat Pathos verdient, in Gegenwart und Zukunft möge Pragmatismus das Handeln leiten.

Im Verhältnis zu Paris besteht in dieser Beziehung Nachholbedarf.

Zur nüchternen Bestandsaufnahme gehört Ehrlichkeit. Die Bundeswehr etwa hat in Mali nichts verloren. Deutschlands Sicherheit muss nicht auch noch in Timbuktu verteidigt werden. Das zu hören, mag in Frankreich etwas schmerzhaft sein. Aber zu glauben, dass es nicht verstanden würde, hieße, das historische Bewusstsein der Franzosen zu unterschätzen. Europas außen- und sicherheitspolitische Interessen sind nur in Ausnahmefällen europäisch fundiert. In der Regel bilden sie sich als Schnittmenge aus nationalen Interessen. Und Afrika hat für Franzosen nun mal eine grundsätzlich andere Bedeutung als für Deutsche.

Ein anderes Beispiel: Wirtschaftskraft und Haushaltsdisziplin. Frankreich muss sich entscheiden, ob es strukturell lieber bei den europäischen Südländern sein will oder den Prozess der Reformanstrengungen – Stichworte Agenda 2010 und Rente mit 67 – nachholen will. Die Signale aus Paris sind widersprüchlich. Mal klingt es nach prinzipieller Gegnerschaft zu Reformen und Angela Merkels Sparpolitik, mal nach dem Wunsch nach weniger Rigidität. Das deutsch-französische Tandem kann aber nicht rund laufen, wenn ein Fahrer strampelt, während der andere bremst.

Psychologisch ist die deutsche politische Führung in einer heiklen Lage. Schon das stetig wachsende Gewicht des Landes ist für seine Nachbarn manchmal nur schwer erträglich. Diese würden allerdings vollends rebellieren, wenn sich zur Kraft auch noch Protz gesellte. In Europa muss Deutschland also führen, ohne zu führen. Doch in Bescheidenheit und Demut dürfen weder Dimensionen noch Interessen außer Blick geraten. Auch gegenüber François Hollande sollte Merkel öfter Klartext reden. Das ist etwas anderes als öffentliche Brüskierung.

Einst gehörten Israel und Amerika ebenfalls in die Riege der Staaten, zu denen Deutschland eine besondere Beziehung pflegt und selbst auf Hyperempfindlichkeiten Rücksicht nimmt. Inzwischen indes gehört es fast zum guten Ton, Israel wegen seiner Siedlungspolitik und die US-Regierung wegen Guantanamo zu kritisieren. Die Skrupel wurden abgelegt, man traut sich was. Bloß Frankreich wird weiter in Watte gepackt. Vergessen und verziehen sind sogar die Widerstände gegen die deutsche Einheit.

Frankreich und Polen sind Deutschlands wichtigste Nachbarn. Entsprechend sorgfältig müssen die Beziehungen gepflegt – und entsprechend offen gestaltet werden. Reibung gehört dazu. Gefühlsüberschwang nur sehr selten. Merkel und Hollande duzen sich jetzt. Hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen.

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