Aamir Khan, Bollywood-Star : "Wählen sollte Pflicht sein"

Bollywood-Star Aamir Khan will eine bessere Regierung und bessere Politiker. Dafür tritt der ewige Rebell in indischen TV-Spots als braver Bube auf und kämpft so gegen die Korruption. Ein Porträt.

Christine Möllhoff

Wählt die ehrlichen, wählt die guten Leute“, mahnt Aamir Khan auf allen Kanälen – mal in Hindi, Teluga, Marathi oder einer anderen der vielen Sprachen Indiens. So brav hat man Bollywoods ewigen Rebellen selten gesehen wie in diesen TV- Spots. Noch vor kurzem jagte er in dem Actionfilm „Ghajini“ als tattooverziertes Muskelmonster die bösen Buben. Doch nun präsentiert er sich seriös im blütenweißen Hemd. Denn Khan hat eine Mission: Er wünscht sich eine bessere Regierung und bessere Politiker.

Indien wählt ein neues Parlament. Und Bollywood, Indiens Filmindustrie, mischt in der größten Wahlshow der Welt kräftig mit. Schauspieler werden wie Halbgötter verehrt. Deshalb schmücken sich Parteien und Kandidaten nur zu gerne mit Stars und Sternchen. So ganz bierernst wird das mit den Loyalitäten aber nicht genommen. Mancher Schauspieler tanzt wie der schmachtäugige Mädchenschwarm Salman Khan auch mal auf mehreren Hochzeiten – und wirbt mal für die BJP und dann für die rivalisierende Kongresspartei.

Doch Aamir Khan drängt es weder in die Politik noch will er sich von einer Partei vor den Karren spannen lassen. Der 44-Jährige mit dem jungenhaften Charme, der auch Regie führt und Filme produziert, ist einer der ganz Großen im Geschäft. Seine Filme sind fast immer Kassenschlager. Er gilt als der Johnny Depp Bollywoods, als Künstler, der die sonst üblichen Fließband-Produktionen ablehnt Kostenlos produzierte er nun für die Vereinigung „Allianz für Demokratische Reformen“ Spots zur Wahl. Ihre Botschaft ist ebenso simpel wie für Indien revolutionär: Wählt korrupte Politiker ab.

Korruption ist eine der schlimmsten Geißeln des Landes. Indien mag sich als größte Demokratie der Welt feiern, aber nicht alles geht tatsächlich mit rechten Dingen zu. Es gehört zur Praxis, dass Politiker Stimmen kaufen. Das zahlt sich um ein Vielfaches aus. Ein Sitz im Parlament gilt als Lizenz zum Gelddrucken. Schon in seinem Film „Rang de Basanti“ hat Khan das Thema Korruption aufgegriffen. Darin töten Studenten einen korrupten Minister, der für den Tod eines Freundes verantwortlich ist. Der Film hat vielen Indern aus dem Herzen gesprochen.

Derzeit macht Khan mit seinen beiden Kindern im nordamerikanischen Montana Ferien. Doch am 30. April will er kurz nach Indien jetten, um wählen zu gehen. Er will ein Vorbild geben. „Ich denke, wir sollen Wählen zur Pflicht machen“, fordert er. 

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