Abba-Film schlägt "Titanic" : Mamma Mia Britannia

Was uns der phänomenale Erfolg des Abba-Films "Mamma Mia" über die Briten sagt. Und was das alles mit Peer Steinbrück zu tun hat.

Markus Hesselmann
Streep
"Mamma Mia" mit Meryl Streep.Foto: UIP

An den britischen Kinokassen hat der Abba-Film „Mamma Mia“ in diesen Tagen „Titanic“ als erfolgreichsten Film aller Zeiten überholt. 69.025.646 Pfund hat „Titanic“ nach seinem Erscheinen Ende 1997 eingespielt. Fünf Monate nach seiner Premiere zog „Mamma Mia“ jetzt vorbei. Der Musikfilm mit Meryl Streep und Pierce Brosnan habe „die ersehnte Ablenkung von der Kreditkrise verschafft“ schreibt der „Daily Telegraph“.

Außer der nahe liegenden Interpretation – Feelgood-Musical verdrängt Untergangs-Film, Eskapismus in Zeiten der Krise – liefert der „Mamma Mia“-Erfolg Argumente gegen ein Klischee: Großbritannien ist womöglich gar nicht so selbstbezogen und splendid isoliert wie es die Briten selbst und ihre europäischen Freunde immer behaupten. Nirgendwo sonst in Europa ist die Abbamania so groß wie auf der Insel. Seit Jahrzehnten verehrt das Mutterland des Pop vier Schweden mindestens so wie die Beatles.

Das Königshaus deutsch, der Nationaltrainer Italiener

Auch in anderen Branchen setzt Großbritannien auf Freunde vom Kontinent: Das Königshaus ist deutsch, der englische Nationaltrainer Italiener. Der größte lebende Maler, Lucian Freud, wurde in Berlin geboren (will allerdings aus guten Gründen mit seiner alten Heimat bis heute nichts mehr zu tun haben). Bei der klassischen Musik haben die Briten ebenfalls früh auf einen Deutschen gesetzt: den Wahl-Londoner Georg Friedrich Händel.

Wo soll das hinführen? In der Wirtschaftskrise sieht sich Premierminister Gordon Brown beim großen Geldausgeben durch seinen französischen Freund Nicolas Sarkozy bestärkt. Doch die Presse kürte einen anderen kontinentalen Helden: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bekam Beifall für seine Kritik an Browns Schuldenpolitik. „Da muss ein Deutscher kommen, um wirtschaftlich Sinnvolles zu sagen“, schrieb der „Daily Telegraph“. „Ein bisschen deutsche Disziplin ist genau das, was wir auch brauchen", fügte die „Daily Mail“ an, fast so, als müsse Großbritannien den deutschen Finanzexperten sofort abwerben.

Die Deutschen und die Titanic

Ihre Unternehmen verscherbeln die Briten ohnehin seit Jahren an Ausländer. Auch das ist eigentlich nur folgerichtig. Denn viele der vermeintlich klassisch britischen Firmen haben Ausländer ja schon gegründet: Die legendäre Motorradmarke „Triumph“ zum Beispiel geht auf den deutschen Einwanderer Siegfried Bettmann zurück. Dessen Landsmann Ludwig Mond steht für ein Chemie-Unternehmen, aus dem der Pharmagigant ICI erwuchs. Auch die Großwerft Harland & Wolff ist zur Hälfte eine deutsche Gründung. Warum wir hier jetzt noch mit diesem Betrieb kommen? Bei Harland & Wolff  in Belfast lief 1911 ein Schiff namens „Titanic“ vom Stapel.

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