Abgebrochenes Interview : Bernd Lucke und sein Wutausbruch bei Michel Friedman

AfD-Chef Bernd Lucke sorgte für einen Eklat bei Michel Friedman. Erbost verließ er das Studio. Lucke verwahrte sich dagegen, dass der AfD-Kandidatin Beatrix von Storch Rassismus unterstellt wurde - offenbar wusste er nicht, dass ein von Friedman angeführtes Zitat gar nicht von ihr stammte.

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AfD-Chef Bernd Lucke. Foto: Reuters
AfD-Chef Bernd Lucke.Foto: Reuters

Zu Hause in Winsen an der Luhe hat Bernd Lucke keinen Fernseher. Zu Beginn seiner Politkarriere sagte der VWL-Professor einmal, er kenne Deutschlands Fernsehtalkshows erst, seitdem er dort selbst einmal Gast war. Inzwischen gehört der Chef der Euro-kritischen „Alternative für Deutschland“ zum Stammpersonal; am Dienstag war er bei „Maischberger“, ein paar Tage zuvor bei „Hart, aber fair“. Doch Lucke fremdelt noch mit der Medienwelt. Das bei Politikern sonst so beliebte unverbindliche Smalltalken liegt ihm nicht. Und aus seinen Vorlesungen ist es Lucke wahrscheinlich gewohnt, dass er bestimmen kann, wer redet.

Bei einer Fernsehaufzeichnung in der vergangenen Woche war das nicht der Fall. Da fiel ihm Michel Friedman als Moderator der N24- Sendung „Studio Friedman“ mehrmals ins Wort, er wiederholte eine Frage immer wieder – bis Lucke der Kragen platzte. Dass der AfD- Chef wutentbrannt das Studio vorzeitig verließ, war seitdem bekannt. Ausgestrahlt wurde die Sendung aber erst an diesem Donnerstagabend zu später Stunde.

Zu besichtigen war dort ein ermattet wirkender Parteichef. Lucke erscheint dünnhäutiger als früher, der innerparteiliche Zwist ist an ihm ebenso wenig spurlos vorbeigegangen wie der Vorwurf, die AfD betreibe Rechtspopulismus. Im konkreten Fall hatte Friedman Lucke mit einem angeblichen Zitat der Berliner AfD-Kandidatin Beatrix von Storch konfrontiert, die gute Chancen auf einen Sitz im EU-Parlament hat. Laut Friedman sagte von Storch: „Multikulti hat die Aufgabe, die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.“ Von Lucke wollte er wissen: „Stehen Sie hinter dieser Aussage?“ Und als dieser sich wand, setzte er nach: „Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?“

Bizarr ist nicht nur Luckes Wutausbruch

Lucke sagte dann, er verwahre sich dagegen, dass einer Kandidatin der AfD Rassismus unterstellt werde. Als Friedman wieder dazwischenging, antwortete er: „Wenn Sie mich nicht zu Ende reden lassen, dann verlasse ich die Sendung.“ Sagte es und drehte sich weg vom Interviewtisch. Bizarr an dem Gespräch ist allerdings nicht nur Luckes Wutausbruch. Das von Friedman erwähnte Zitat stammt gar nicht von Storch, sondern von einem Autor, der auf einer von ihr betriebenen Internet-Seite einen Text veröffentlichte. Lucke wird sich über dieses Zitat geärgert haben – dass es nicht auf von Storch zurückging, daran dachte er wohl nicht.

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