Meinung : Achtung, Geschichte!

STÖLZLS WAHLANALYSE

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Nüchtern gehört klingt das, was Christoph Stölzl da über das Wahlverhalten der Deutschen gesagt hat, etwas besoffen. Der Historiker, Berliner CDU-Vorsitzende und Vizepräsident des Abgeordnetenhauses stellte den Wahlerfolg von Rot-Grün in einen Zusammenhang mit der Stimmung, die in Deutschland 1914 und 1932 herrschte: die Menschen irrational berauscht, von Propagandaphrasen beseelt. Heute, so Stölzls Analyse, hat wieder die Unvernunft gesiegt. Was daran richtig ist: Gefühle können in der Politik durchaus gefährlich sein. Und bestimmte Gefühle haben bei dieser Wahl, bei diesen Kandidaten, bei dieser Weltlage allem Anschein nach eine große Rolle gespielt - und sie sind ausgenutzt worden. Aber muss das so götterdämmerig beklagt werden wie hier? Muss die halbe Republik für blöd erklärt werden? Geht’s nicht ein bisschen schlanker? Er hoffe, sagte Stölzl, dass sich Nüchternheit durchsetzen werde. Das gilt bei Gelegenheit auch für Politiker, die am Morgen nach einer verlorenen Wahl noch einen Kater haben. lom

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