• Afghanistan: Bomben allein sind nicht genug - Doch die Nordallianz taugt kaum als US-Bodentruppe

Meinung : Afghanistan: Bomben allein sind nicht genug - Doch die Nordallianz taugt kaum als US-Bodentruppe

Elke Windisch

Bisher ist es nur ein Sandkastenspiel für Generalstäbler: Zunächst Flächenbombardements der US-Air-Force, und dann sollen sich die Afghanen gefälligst selbst von der Diktatur der Taliban befreien. Am liebsten wäre es den Amerikanern wohl, die so genannte Nordallianz, die den Norden des Landes hält, spielte die Rolle der Bodentruppen, um das einmal weichgebombte Taliban-Regime zu stürzen.

Zu Etappe eins genügt ein Blick auf die Landkarte, um sich von der Problematik zu überzeugen: In der zerklüfteten Bergwelt von Pamir und Hindukusch gibt es genug Höhlen, in denen die Taliban und ihr Dauergast Osama bin Laden bei Lammkebab und Granatapfelsaft dem Waffentest der US-Rüstungsindustrie zusehen können, ohne für Leib und Leben fürchten zu müssen. Die Erfolgsrate der Bomben und Fernlenkwaffen dürfte sich auf ein paar Zufallstreffer beschränken. Die Sowjets bezahlten ihren Versuch, Afghanistan per Einmarsch auf den sozialistischen Entwicklungsweg zu bringen, mit 14 000 toten Soldaten.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Etappe zwei darf unter diesen Vorzeichen als kriegsentscheidend gelten. Sie ist angesichts der unvermeidlichen hohen Verluste zynisch - und gründet sich auf Wunschdenken: Die Nordallianz, die Washington gerne in Marsch setzen würde, um den Taliban den Garaus zu machen, kontrolliert momentan ganze zehn Prozent des Landes und vertritt die Interessen ethnischer und religiöser Minderheiten. Noch. Nach dem tödlichen Anschlag auf ihren Führer Ahmad Schah Massud ist ihr weiteres Schicksal ungewiss. Allein die Autorität und das militärische Können Massuds waren der Bindekitt für das heterogene Bündnis, das in entscheidenden Momenten - wie im Sommer 1998, als es um Mazar-i-scharif, die Hauptstadt Nordafghanistans ging - weniger durch die Taliban denn durch Verrat rivalisierender Stammesfürsten in die Knie ging.

Experten meldeten daher schon zu Lebzeiten Massuds Zweifel an, ob die Nordallianz bei einer Rückeroberung Kabuls den Bürgerkrieg beenden kann. Nachfolger Fahimi aber ist kein Politiker, sondern nur ein braver General und dürfte an dieser Aufgabe verzweifeln. Ebenso würde es dem 1996 gestürzten Präsidenten Rabbani gehen, ein politisches Leichtgewicht. 1992 wurde er lediglich als das geringste aller Übel an die Macht gehievt.

Millionen, wie sie die USA in die Aufrüstung der Nordallianz pumpen wollen, verpuffen daher sinnlos, solange die internationale Gemeinschaft nicht die Führer aller Volksgruppen an den Verhandlungstisch zwingt. Nach dem Ende des Taliban-Regimes kann sich in Afghanistan nur eine stabile Macht etablieren, die das Land real und nicht nur de iure regiert und damit Terroristen aller Couleur die Basis entzieht.

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