Meinung : Alles ist offen

apz

Wie lange ist Gerhard Schröder schon Bundeskanzler? Zehn Jahre? Fünfzehn? Schaut man sich die Persönlichkeitswerte in den jüngsten Umfragen an, weist alles auf Verschleißerscheinungen in der Reputation des Regierungschefs hin, also auf einen Ansehensverlust, wie er nach langer Amtszeit nicht selten ist. Die Wähler werden des Mannes an der Spitze überdrüssig. Sie trauen ihm nichts mehr zu und sehnen sich nach personeller Erneuerung. So endete die Ära Helmut Kohl, als sein Herausforderer Gerhard Schröder die bundespolitische Bühne betrat. Auf der steht nun Edmund Stoiber im Rampenlicht. Gegen ihn sieht der Kanzler alt aus - nach noch nicht einmal einer Legislaturperiode. Als glaubwürdiger, tatkräftiger, vor allem aber kompetenter in Wirtschaftsfragen wird der Bayer in den Erhebungen bewertet. Der Union trauen die Deutschen auch viel eher als der SPD zu, dass sie für mehr Arbeitsplätze im Lande sorgen könne. Nichts aber erwarten die Wähler von einer Bundesregierung mit größerer Dringlichkeit. Es sieht also schlecht aus für Schröder. Fürs Erste. Er mag sich damit trösten, dass Stoiber vom Reiz des Neuen, Unverbrauchten profitiert. Dass der Bayer auch bald Fehler machen wird, die Ansehen kosten. Alles wahr. Aber eines spürt der Kanzler genauso wie die große Mehrheit der Wähler: Wer am 22. September 2002 die Nase vorne haben wird, ist wieder völlig offen.

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