Meinung : alt und nicht müde“

Charles A. Landsmann

Ein einziges Mal hat er sich in einer seiner meist glanzvollen Reden gründlich geirrt. Als Schimon Peres seinen Arbeitsparteifreunden die scheinbar rhetorische Frage stellte „Bin ich ein Loser?“ und der Saal dem ewigen Vorsitzenden mit einem schallenden Ja antwortete.

Tatsächlich hat Peres unzählige sicher geglaubte Wahlsiege nicht feiern können: Nach der Ermordung Jitzak Rabins vor zehn Jahren verlor er als dessen Nachfolger aus scheinbar unschlagbarer Position die Wahl gegen Benjamin Netanjahu; auch dass nicht er, der wohl belesenste Politiker auf Erden, sondern der unbedarfte Mosche Katsav zum Staatspräsidenten gekürt wurde, ärgert Peres noch heute.

Doch diesmal müsste es im jüdischen Staat, im Heiligen Land, schon mit dem Teufel zugehen, wenn Peres am heutigen Mittwoch nicht seinen einzigen ernsthaften Rivalen, Gewerkschaftsboss Amir Perez, schlagen und als Vorsitzender der Arbeitspartei wiedergewählt würde. Peres hatte den Abtrünnigen Perez gegen heftigen internen Widerstand in die Partei zurückgeholt, doch die beiden verbindet sonst nicht allzu viel – außer vielleicht, dass sie Workaholics sind und im Land als politische „Tauben“ gelten.

Peres gegen Perez bedeutet Außenpolitiker gegen Sozialpolitiker; askenasische Elite aus dem mondänen Norden Tel Avivs gegen sefardische Unterschicht aus dem Wüstenstädtchen Sderot im Landessüden; glatt rasierte ewige Sonnenbräune und modische Anzüge gegen buschigen Schnauz und Fabrikarbeiterkleidung.

Unermüdlich und ewiger Optimist: So präsentiert sich der schon 82-jährige Friedensnobelpreisträger, der zweifache Ministerpräsident und dutzendfache Minister, der „ewige Sesselkleber“, der Vater der israelischen Rüstungsindustrie und Atomfähigkeit seinen Parteigängern nun als erneuernde Kraft. Pathetisch nannten die Konkurrenten seine erneute Kandidatur – und schieden frühzeitig aus dem Rennen.

Für sie hatte Peres am Dienstag auf Wahlkampftournee in Lod nur Spott übrig. „Ich bin bereit, ebenfalls auszuscheiden – aber es geht um das Wohl der Partei.“ Sein Credo: „Ich bin nicht krank, nicht einmal alt (Gelächter). Ich bin gesund. Ich bin von meinem Tun überzeugt. Ich liebe meine Arbeit. Ich diene gerne dem Land. Ich bin nicht müde, ich brauche keine Ruhe.“ Sehr gut möglich, dass sich die anderen noch ein wenig ausruhen müssen.

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