Meinung : Am Ende wartet Kärnten

Österreichs FPÖ verliert die Wahlen – und Haider bald alles?

Paul Kreiner

Die Haider’sche FPÖ stirbt eines langsamen Todes. 14 Jahre hatte der Gottseibeiuns der österreichischen Politik gebraucht, die Fünf-Prozent-Partei an die Macht zu bringen; in drei weiteren Jahren hat derselbe Jörg Haider seine Schöpfung wieder zerstört. Seit die FPÖ mit 27 Prozent Anfang 2000 in die Regierung eingetreten ist, geht es mit ihr bergab, besonders steil, seit Haider vor einem Jahr sowohl Partei als auch Koalition hat hochgehen lassen. Dem Desaster bei der Parlamentswahl – minus 17 Punkte – folgten Einbrüche bei Landtagswahlen, zuletzt am Sonntag in Oberösterreich und Tirol, wo die Wähler die in Auflösung befindliche Partei auf normale Werte zurückgebracht haben.

Jetzt wartet Österreich nur noch ab, wie dieser Niedergang endet. Im März 2004 wählt Kärnten. In Haiders eigenem Reich werden die Bürger über den Chef persönlich abstimmen. Verliert er, dann ist’s aus mit ihm. Kann er sich behaupten, dann wird er weiter in der österreichischen Politik herumfuhrwerken, aber ein eher geisterhaftes Dasein führen. Die alte FPÖ ist mangels Masse und mangels Glaubwürdigkeit nicht mehr wiederzuerwecken. Und woher soll Haider eine neue nehmen? Bis zu den Wahlen in Kärnten muss auch die FPÖ zuwarten. Es werden keine Köpfe rollen. Erstens, weil kaum mehr welche vorhanden sind und zweitens, weil nun alles am Schicksal Haiders hängt und an seinem Verhalten.

Haider wird die Unberechenbarkeit in den nächsten Monaten besonders pflegen. Wenn er meint, seine Wahlchancen durch laute Einmischung in die Bundespolitik steigern zu können, dann wird er das tun; genauso gut kann er den kreuzbraven, für die Seinen engagierten Landesvater geben. Oder es reizt ihn aus purer Zerstörungslust, Partei und Regierung noch einmal in den Abgrund zu reißen. Haider muss dazu nur Vizekanzler Herbert Haupt vom Posten des FPÖ-Chefs verjagen. Angedroht hat Haider das des Öfteren. Bricht Haupt weg, dann ist die Gefahr groß, dass auch die Koalition mit der ÖVP zerfällt. Das endet dann nicht nur im Ruin der FPÖ, sondern entfernt wahrscheinlich auch Schüssels Volkspartei von der Regierungsbank.

Denn eines haben die jüngsten Landtagswahlen gezeigt: Schüssels Siegeszug, begonnen mit der Parlamentswahl 2002, ist zu Ende. Damals liefen die von der FPÖ frustrierten Wähler beinahe en bloc zur ÖVP über, obwohl es sich um ehemals sozialdemokratische Kernwähler gehandelt hatte. An diesem Sonntag sind diese Leute bereits wieder ihrer natürlichen Wege gegangen: Die SPÖ hat aus der Konkursmasse der FPÖ zehnmal so viel profitiert wie die Kanzlerpartei.

Schüssel weiß, auf welch beweglichem Wählerpotenzial er sitzt. Deshalb wird er alles tun, um sich die FPÖ als Koalitionspartner zu erhalten und wenigstens die Legislaturperiode voll auszureizen. Die FPÖ, zumindest ihr rational agierender Teil, weiß ebenso, dass sie zum friedlichen Mitregieren verurteilt ist. Das einzig unrationale Element an diesen Überlegungen ist – richtig: Jörg Haider. Er wird die kurze aktive Zeit, die ihm noch bleibt, auf seine Art zu füllen wissen.

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