Gastbeitrag von Prinz Willem-Alexander : Weltweit fehlen 2,6 Milliarden Toiletten

An Durchfall sterben mehr Kinder als an Aids und Malaria. Prinz Willem-Alexander erklärt in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel, warum er für Toiletten kämpft.

Prinz Willem-Alexander von Oranien-Nassau
Prinz Willem-Alexander von Oranien-Nassau.
Prinz Willem-Alexander von Oranien-Nassau.Foto: AFP

Es ist schockierend, dass 2,6 Milliarden Menschen weltweit ohne Toiletten auskommen müssen. Die Fakten hinter dieser Zahl sind noch schlimmer. Von diesen 2,6 Milliarden Menschen lebt die Mehrheit in Entwicklungsländern. Das bedeutet, dass die Hälfte aller Menschen in den Entwicklungsländern keine Toiletten nutzen können. Unter den 40 Prozent der ärmsten Menschen in Südasien haben nur zwei von zehn Haushalten eine saubere Toilette zur Verfügung.

Im Jahr 2000 hatten sich die Staats- und Regierungschefs auf die sogenannten Millenniumszielen der Vereinten Nationen geeinigt. Ein Ziel ist es, die Zahl der Menschen, die ohne ordentliche Sanitärversorgung auskommen müssen, bis 2015 zu halbieren. Neue Schätzungen gehen allerdings davon aus, dass wir im Jahr 2015 mehr Menschen haben werden, denen eine ordentliche Sanitärversorgung fehlt, nicht weniger. Hinter den Zahlen steckt kaum messbares menschliches Leid, aber auch eine vergebene Chance für Wachstum.

Niemand kann die Kosten fehlender Sanitäreinrichtungen ignorieren. An Durchfallerkrankungen sterben mehr Kinder als an Aids, Malaria und Masern zusammen. Dabei wäre der direkte Kontakt mit Fäkalien vermeidbar. Besonders die ärmsten Kinder sind anfälliger für Atemwegserkrankungen und chronische Unterernährung. Fäkalien verursachen auch Augen- und Wurmerkrankungen, darunter die Bilharziose. Dabei dringen Wurmlarven durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in verschiedene Organe. Nur wenige Menschen in der Dritten Welt, die an diesen Krankheiten leiden, werden überhaupt medizinisch versorgt. Eine bessere Sanitärversorgung könnte die Zahl der Kranken drastisch senken. Sie wäre günstiger als Medikamente.

Der Mangel an Toiletten behindert das Wirtschaftswachstum. Die Weltbank hat die jährlichen Kosten berechnet, die wegen schlechter Sanitäranlagen entstehen: in Indien 53,8 Milliarden US-Dollar, in Indonesien 6,3 Milliarden US-Dollar und in Laos 103 Millionen US-Dollar. Stellen Sie sich vor, dieses Geld würde für Hygieneerziehung, Infrastruktur und Entwicklungsprojekte ausgegeben. Dann könnten wir diese Krise beenden.

Wie ist es möglich, dass im Jahr 2011 2,6 Milliarden Menschen keine Toiletten haben? Viele Experten haben versucht, dieser Frage nachzugehen, auf die es nicht nur eine Antwort gibt. Sicherlich ist es schwierig, sanitäre Anlagen dem rapiden Bevölkerungswachstum entsprechend auszubauen. Dennoch sind sich alle Experten in einem Punkt einig: Über das Problem der sanitären Einrichtungen sprechen die Entscheidungsträger nicht öffentlich. Solange das Thema gebrandmarkt wird, kann die Krise nicht beendet werden. Wir brauchen öffentliche Aufklärung, eine gezielte Strategie und vor allem den politischen Willen, diese Aufgabe zu bewältigen.

Heute würde ich sagen, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Mehr Menschen sind sich der Bedeutung von Sanitäranlagen bewusst, es gibt viele Gründe für Hoffnung. Kürzlich haben die Vereinten Nationen gezeigt, dass sie bereit sind, das Thema in das Zentrum der internationalen Agenda für Entwicklung zu rücken. Die Länder haben erkannt, dass der Zugang zu sanitären Einrichtungen ein Menschenrecht ist. Vor einigen Monaten hat die UN eine Resolution verabschiedet, die eine Förderung räumlich geschlossener sanitärer Anlagen, höhere Finanzierungen und koordinierte Maßnahmen durch einen fünfjährigen Aktionsplan bis 2015 vorsieht.

Er startet am 21. Juni. Er zielt darauf ab, bis 2015 ein stärkeres Eintreten der Entscheidungsträger für den Ausbau sanitärer Einrichtungen zu schaffen. Bitte schließen Sie sich uns an. Wollen wir im Jahr 2015 mehr Menschen mit angemessenen Sanitäranlagen? Natürlich wollen wir das – aus 2,6 Milliarden Gründen!

Der Autor ist Vorsitzender des UN-Beratungsgremiums Wasser und Gesundheit. Übersetzt von Jens Funk.

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