Internet-Aktivist : Jeff Jarvis: "Ihr Deutschen, seid öffentlicher"
01.12.2011 14:32 UhrWarum Regierungen heute das Gegenteil von dem sind, was sie sein sollten
Bei allen sozialen Bewegungen, egal, ob in Spanien, beim arabischen Frühling oder Occupy-Wall-Street müssen wir uns fragen, ob sich diese Menschen Nationen verpflichtet fühlen oder Begriffen. Beim arabischen Frühling sind wahre Öffentlichkeiten entstanden. In Europa sehen wir Regierungen, die von Anleiheeignern an der kurzen Leine gehalten werden. Wir müssen uns fragen, wer ist demokratischer: Ägypten oder Griechenland? Wir müssen in vielerlei Hinsicht unsere Definitionen von Nationen und von Öffentlichkeiten überdenken. Wie sonst wird das Netz die Gesellschaft verändern? Wird es eine Eigenkultur, ein Eigenleben entwickeln? Als ich mit einer Gruppe von Zeit-Online-Redakteuren über Privatsphäre sprach, sagte einer von ihnen, seine Kinder würden sich nicht mehr wie Deutsche verhalten, sondern wie Bürger im Netz.
Wird unsere Welt, wie das Netz, für Offenheit und flache Strukturen stehen? Regierung sind heute zu oft verschlossen und zu selten offen. Das Gegenteil sollte der Fall sein: Transparenz als Standard und Verschlossenheit nur, wenn es absolut notwendig ist. Es gibt notwendige Geheimnisse: Sicherheit, Strafverfolgung, Diplomatie, und am wichtigsten, die Privatsphäre der Bürger. Aber Wikileaks hat uns gelehrt, wie unsicher Geheimnisse sind und wie banal Geheimnisse manchmal sind. Einige der enthüllten Geheimnisse, bereiteten aber auch den Weg für die arabische Revolution.
Und wenn Regierung transparenter sind, sollten dann nicht auch Unternehmen offener sein? Ist ein Unternehmen besser, wenn es verschlossen agiert oder wenn es Offenheit praktiziert - auch gegenüber seinen Besitzern und Anteilseignern.
Müssen wir im industriellen Zeitalter unsere Idee von Bildung aktualisieren? Wir bringen ständig sie gleichen Studenten hervor, mit denselben Wissen und Antworten. Google kann das besser und ein neues Google entsteht so nicht.
Und natürlich sind die Medien im Wandel. Ich glaube, der Journalismus muss Plattformen entwickeln, die es Menschen ermöglichen, Informationen zu tauschen. Und Journalisten müssen sich Fragen, welchen mehrwert sie beisteuern können und welchen sie daraus ziehen können. Meine Schüler haben heute die Möglichkeit, ihr eigenes Medienunternehmen aufzubauen. Wir lehren auch den Umgang mit der Öffentlichkeit, die sie mit schaffen. Sie sollten sie sich mehr als Mitglieder eines ökonomischen Systems verstehen und nicht als Eigentümer einer Branche.











