Meinung : Annan-Maut

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Im Fußball gilt: Entscheidend ist auf dem Platz. In der Politik: Entscheidend ist auf dem Tonband. Einfach nur so Gesagtes hat keine Bedeutung, wenn es nicht von irgendjemandem abgehört und aufgezeichnet wurde. Wie wir jetzt wissen, muss sich Kofi Annan in dieser Beziehung keine Sorgen machen, weil er praktisch rund um die Uhr von einem oder mehreren Geheimdiensten belauscht wurde. Das ist eine hocheffektive Methode, alle interessierten Kreise auf dem Laufenden zu halten, ohne Berge von Papier herumzuschicken. Sie gilt als normal, so normal, dass wir Deutschen uns die Frage stellen müssen: Wollen ausgerechnet wir eigentlich nicht wissen, was Herr Annan plant? Ja, nun muss nachgesessen werden. Europaweite Ausschreibung! Gut möglich, dass ein Konsortium von DaimlerChrysler, Telekom und Cofiroute den Zuschlag für ein satellitengestütztes deutsches UN-Abhörsystem erhält und dann innerhalb weniger Monate in der Lage wäre, den UN-Generalsekretär in allen Lebenslagen zu belauschen, erstmals auch im Central Park, dem klassischen Ort für wirklich vertrauliche Gespräche. Allerdings werden die großen Mikrofonbrücken zwischen den Bäumen ziemlich doof aussehen. Und ob Annan sich freiwillig eine On-Board-Unit einbauen lässt?

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