Meinung : Arabische Liga: Neue Ernsthaftigkeit

Andrea Nüsse

Das Hauptziel wurde nicht erreicht: die Versöhnung zwischen Irak und Kuwait. Damit sollte der Gipfel der Arabischen Liga in die Geschichtsbücher eingehen, hatte sich Gastgeber König Abdallah gewünscht. Saddam Hussein hat ihm das gründlich vermasselt. Trotz aller Bemühungen lehnte er jede Resolution ab, in der seine Forderung fehlte, die arabischen Staaten sollten das UN-Embargo gegen Irak einseitig brechen. Er musste wissen, dass er dafür keine Zustimmung finden würde. Saddam Hussein hat womöglich Gefallen an der Rolle des Außenseiters und Buhmanns gefunden. Und offenbar kann er - anders als Iraks Bevölkerung - ganz gut mit dem Embargo leben.

Hat sich also seit Jahrzehnten nichts verändert in der arabischen Welt, bleibt sie unfähig zu konzertierter Aktion? Saddam Husseins sture Haltung verstellt den Blick darauf, dass diesmal in beispielloser Weise daran gearbeitet wurde, das Hauptproblem zu lösen: die Spaltung der arabischen Welt zu überwinden. Es gab mühevolle Kleinarbeit, zahllose Gespräche, an denen auch die Staatsoberhäupter teilnahmen, Kompromisse und das Feilen an Formulierungen. Bei früheren Treffen hatten sich Irakis und Kuwaitis noch mit Torten beworfen, diesmal wurde ruhig und detailliert über die Positionen debattiert. Eine neue Ernsthaftigkeit, die freilich zunächst keine spektakulären Auswirkungen hat. Auch die Schlichtung eines Grenzstreits zwischen Bahrain und Qatar ist ein Zeichen neuer Reife in diesem Teil der Welt. Die beiden Golfstaaten akzeptierten kürzlich einen Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag zu ihrem Jahrzehnte alten Konflikt um kleinere Inseln.

Und Palästina? Die arabischen Staaten können eine UN-Schutztruppe für die Palästinenser zwar fordern, aber nicht gegen das Veto der USA im Sicherheitsrat durchsetzen. Das ist noch kein Beleg für Schwäche. Stärke könnten sie beweisen - und Glaubwürdigkeit -, wenn sie den Palästinensern endlich finanziell helfen und dies nicht weiter den Europäern überlassen. Von der einen Milliarde Dollar, die beim Gipfel in Kairo versprochen wurde, ist kaum etwas in Palästina eingetroffen. Das Verfahren soll nun beschleunigt werden. Ein Test, ob die verkündete Solidarität mehr ist als ein Lippenbekenntnis. Misslingt er, wird der Westen die arabische Staatengemeinschaft weiterhin als politisches Leichtgewicht betrachten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben