"Arctic Sea" : Die Spannung steigt

Warum sollten Piraten ein Lösegeld verlangen, das kaum höher ist als der Wert der Fracht? Wo es keine Antworten gibt, ist Platz für Spekulationen - auch über die Rolle von Nato und EU.

Claudia von Salzen

Die „Arctic Sea“ ist seit einer Woche wieder da, doch die Ungereimtheiten sind größer geworden. Wenn Russland zugibt, die Öffentlichkeit gezielt falsch informiert zu haben – was können wir dann noch glauben? Gab es überhaupt eine Entführung? Was war wirklich auf diesem Frachter? Wer sind die „Entführer“? Die Geschichte, die uns vom Kreml vorgesetzt wird, ist zu fadenscheinig, um glaubwürdig zu sein. Warum sollten Piraten ein Lösegeld verlangen, das kaum höher ist als der Wert der Fracht? Wo es keine Antworten gibt, ist Platz für Spekulationen. Schließlich ist es plausibel, dass nicht nur Holz an Bord war, dass es um viel mehr geht. Marschflugkörper für Iran? Die Entführer in Wirklichkeit Agenten des Mossad, wie eine russische Journalistin mutmaßt? Es hat wenig Sinn, sich an diesen Spekulationen zu beteiligen. Vielleicht liegen die Antworten viel näher als in Moskau. Bemerkenswert ist das stillschweigende Einverständnis von Nato und EU. Die Nato half Russland, die „Arctic Sea“ zu lokalisieren. Und die Europäer überließen die Suche nach einem Schiff, das unter maltesischer Flagge fährt und eine finnische Reederei hat, praktisch ganz den Russen. Beides deutet darauf hin, dass es möglicherweise auch im europäischen Interesse war, die „Arctic Sea“ rechtzeitig zu stoppen.

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