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Atomsicherheit : Gestresste Kraftwerke

05.10.2012 00:00 Uhrvon
Ein Banner mit der Aufschrift "Atomkraftwerke abschalten" hängt zwischen Bäumen vor dem Atomkraftwerk Grohnde in Emmerthal.Bild vergrößern
Ein Banner mit der Aufschrift "Atomkraftwerke abschalten" hängt zwischen Bäumen vor dem Atomkraftwerk Grohnde in Emmerthal. - Foto: dapd

Der Akw-Test ist ein guter Anfang, der Vergleich der einzelnen Kraftwerke erhellend. Und er zeigt, dass noch nicht alles für die Sicherheit getan wird.

Günther Oettinger hat Wort gehalten – irgendwie. Kurz nach der Atomkatastrophe von Fukushima, als die Europäer wieder nach der Sicherheit hiesiger Meiler fragten, versprach der EU-Energiekommissar eine eingehende Überprüfung und vollkommene Transparenz. Jeder Bürger werde schon bald nachschauen können, wie es um die Reaktoren in seiner Region bestellt ist. Seit Donnerstag ist es soweit: Wir wissen zumindest ein bisschen besser Bescheid als vorher.

Erstmals bekommen Europas Bürger Einblicke in den Zustand von Kernkraftwerken jenseits jener Grenzen, die im Falle einer Katastrophe keine sind. Und das ist gut so. Deutschland wäre von einem Gau in Fessenheim oder Cattenom bei Westwindlage vermutlich stärker betroffen als Frankreich selbst.

Die Gesundheit der Bundesbürger darf nicht allein von der Gnade und der Informationspolitik des französischen Staatspräsidenten abhängen. Genauso sollten Polen, Tschechen oder Österreicher wissen, dass auch die deutschen Meiler nicht perfekt sind, wie der Stresstest belegt.

Dieses Wissen bleibt wichtig, denn die Atomkraft wird uns noch lange begleiten, deutscher Ausstieg hin oder her. Die meisten der 14 EU-Staaten, die die Atomkraft nutzen, werden nicht so bald darauf verzichten. Einheitlich hohe Standards, wie die EU-Kommission sie nun plant, sollten da eigentlich selbstverständlich sein.

Dass das nicht so ist, zeigt die Genese des Stresstests. 18 Monate zog sich das Hickhack bis zur Präsentation hin. Ob alle 145 Reaktoren in der Europäischen Union auch Terroranschlägen, etwa mit Flugzeugen, widerstehen würden, bleibt geheim, aus Sicherheitsgründen.

Vor allem aber findet keine allgemein verständliche Zusammenschau statt. Was bedeutet es, wenn das Erdbebenwarngerät „installiert oder verbessert“ werden muss? Wie wirkt es sich aus, wenn Notfallprozeduren nicht für alle Kraftwerksbereiche vorliegen? Wie viele Verbesserungsvorschläge muss es geben, dass der Ist-Zustand eines Meilers tatsächlich als unsicher bezeichnet werden kann? Es fehlt eine klare Bewertung der Sicherheitslage für jedes einzelne Kraftwerk. Oettingers Mannschaft wollte in diesem Punkt mehr, wurde jedoch von den Mitgliedstaaten ausgebremst.

Dennoch ist der Vergleich der einzelnen Kraftwerke erhellend. Während das Akw im schwedischen Oskarshamn nur bei einem Prüfkriterium durchfällt, sind es in Cattenom eben sieben. Die Fülle der Empfehlungen und Verbesserungsvorschläge zeigt außerdem, dass eben noch nicht alles Menschenmögliche für die Sicherheit getan wird.

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