Anti-Tempelhof-Kampagne : Populismus auf höchstem Niveau

Tagesspiegel-Redakteur Gerd Appenzeller zur Plakatkampagne der Flughafengegner

Gerd Appenzeller

Am 27. April sollen die Berliner darüber abstimmen, ob der Flughafen Tempelhof, wie es der Senat  will, geschlossen werden oder ob er offen bleiben soll. Unsere Landesregierung hat uns, sozusagen zur Stärkung unseres demokratischen Selbstbewusstseins, schon einmal wissen lassen, dass ihr das Ergebnis der Abstimmung völlig schnurz sei. Man müsste also eigentlich, allein aus Gründen der Obrigkeitserziehung, knallhart für die Offenhaltung stimmen - wenn da jetzt nicht auch noch die Plakatkampagne wäre, mit der die Schließungsbefürworter nun Stimmung machen, nachdem uns die Schließungsgegner monatelang unter publizistischer Dauerfeuer genommen haben.

Diese Anti-Tempelhof-Kampagne ist selbst im unterstes Niveau gewöhnten Berlin an Populismus kaum zu toppen. "Ich zahl' doch nicht für einen VIP-Flughafen", kann man da lesen, oder "Keinen Flughafen für Superreiche". Ja, der US-amerikanische Geschäftsmann Lauder wollte in Tempelhof 350 Millionen Euro investieren, um ein Hospital- und Kongresszentrum für wohlhabende Kunden aus aller Welt zu bauen. Selbstverständlich wäre der größte Teil dieser Investitionssumme bei Berliner Betrieben gelandet, und die 1500 bis 3000 Arbeitsplätze, die Lauder hochgerechnet hatte, wären vermutlich von Berlinerinnen und Berlinern besetzt worden. Und dass auch Geschäftsleute Start- und Landegebühren auf Flughäfen zahlen, sollte sich herumgesprochen haben. Der Senat aber in seiner Machtvollkommenheit hat sich mit dem Projekt nicht einmal ernsthaft befasst.

Was heißt also: für Reiche? Das Hotel Adlon ist ein Hotel für reiche Leute, klar. Das Geld, dass die in Berlin ausgeben, freut uns aber, oder? Und die Arbeitsplätze im Adlon sind auch ganz schön, nicht wahr? Und die Juweliere am Kudamm? Haben reiche Kunden, natürlich. Aber in den Geschäften arbeiten Berliner, und die Geschäfte zahlen in Berlin Steuern.

Nein, die Initiatoren der Schließungskampagne sollten sich schämen für ihre Volksverdummungsaktion!

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