Auf den Punkt : Ach, Verdi!

Lorenz Maroldt über den Freiheitskampf von Verdi am 17. Juni

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinVerdi ruft in Berlin für den 17. Juni zum "Arbeiteraufstand" auf. Der zuständige Gewerkschaftsfunktionär meint, das sei eine angemessene historische Anspielung, denn auch damals habe der Aufstand ja "mit tariflichen Fragen angefangen". Um Freiheit und Demokratie sei es zunächst gar nicht gegangen.

Schön, das ist endlich mal was Neues. Bisher langweilen wir uns doch nur gegenseitig mit den immer selben Nazivergleichen. Bush ist Hitler, Mehdorn ist auch Hitler, und Gorbatschow hat's immerhin zum Goebbels geschafft. Jetzt ist Wowereit also Ulbricht - aber wer oder was ist Verdi? Zur Geschichte gehört auch, dass die Gewerkschaftsführer im Juni 1953 ihre Arbeiter im Stich gelassen haben. Weil sie nämlich die Hosen voll hatten.

Hier und heute versuchen die Gewerkschaftsführer, ihre Arbeiter zum größten Quatsch aller Zeiten zu verführen: Sie sollen sich als Freiheitskämpfer fühlen, wenn sie für ein paar Euro mehr auf die Straße gehen. Wenn dabei gleich noch der Rücktritt der Regierung verlangt wird, so wie 1953 auch - was soll`s. Blöd bloß, dass es schon freie Wahlen gibt, sonst könnte man die ja auch gleich noch fordern.

Der Aufstand am 17. Juni 2008 beginnt übrigens pünktlich um 8 Uhr morgens mit einem schönen Frühstück vor dem Roten Rathaus und der Registrierung, damit auch jeder sein Streikgeld bekommt. Am 17. Juni 1953 und den Tagen danach war eine Registrierung lebensgefährlich. Es starben mindestens 55 Menschen. In der Bundesrepublik wurde der 17. Juni in Erinnerung an den Aufstand in der DDR übrigens zum Tag der Einheit ernannt, nicht zum Tag des Einheitslohns. Nur mal so zur Erinnerung. Und jetzt streikt mal schön.

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