Auf den Punkt : Der Fluch der Spaßguerilla

Matthias Oloew über die Spree-Proteste

Matthias Oloew
Matthias Oloew
Matthias Oloew, Tagesspiegel Redakteur -Foto: Thilo Rückeis

BerlinBerlin bleibt sich treu. Die Spaßguerilla schippert mit Schlauchbooten auf der Spree oder dümpelt mit Luftmatratzen auf dem Wasser, um Ausflugsboote zu blockieren, auf denen sie Wirtschaftskapitäne vermutet. "Investoren bejubeln" nennt sie die Aktion. Tatsächlich meint sie natürlich genau das Gegenteil und kann tatsächlich ein Schiff zur Umkehr bewegen, mit einigem Wohlwollen übrigens beobachtet von Christian Ströbele, Grünen-Urgestein im Deutschen Bundestag. Die Passagiere auf dem Schiff waren Gäste der "Berliner Wirtschaftsgespräche", die sich anschauen wollten, was sich in Berlin so alles tut, am Ufer der Spree.

Da werden sie aber etwas zu erzählen haben, wenn sie zurück sind. Zum Beispiel, wie man in Berlin so empfangen wird, wenn man Geld investieren will. Ob das ankommt, bei den Vorstandsetagen in Skandinavien, Großbritannien oder den USA? Wohl nicht. Stattdessen wird ganz pragmatisch entschieden: Will Berlin das Geld nicht, dann stecken wir es eben in Projekte anderswo auf der Welt. Renditen lassen sich nicht nur in Berlin erzielen.

Tatsächlich kann sich Berlin es aber gar nicht leisten, Investoren durch Blockadeaktionen in die Flucht zu schlagen. Die Stadt hat so viele Brachen in der City, eine so hohe Arbeitslosigkeit, eine so hohe Verschuldung, dass jeder, der in die Stadt kommt, um Geld in Neubauten zu stecken oder alte Häuser zu sanieren und somit beiträgt, Jobs zu schaffen, tatsächlich bei einer Fahrt über die Spree beklatscht werden müsste. Eine ganz einfache Logik, die die Spaßguerilla nicht versteht oder nicht verstehen will - bis über ihr die maroden Altbauten zusammenbrechen, zum Beispiel am Friedrichshainer Spreeufer. Dann ist der Ruf nach jemandem, der Geld investiert, mit einiger Sicherheit wieder da. Doch dann könnte es zu spät sein.

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