Auf den Punkt : Die Ratten haben nichts mehr zu lachen

Gerd Nowakowski zu den Berliner Ekelwirten

Gerd Nowakowski
Gerd Nowakowski
Gerd Nowakowski, Ressortleitung Berlin/Brandenburg -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinVorne hui, hinten pfui - ja, so darf es bei einem proper daherkommenden Restaurant in der Küche nicht aussehen, ohne dass der Gast etwas davon ahnt. Jeder Kunde muss sicher sein, dass in der Küche nicht die Ratten zur Belegschaft gehören. Ob im Lokal gammelige Lebensmittel verarbeitet werden, die Küche verpilzt ist oder die Gerätschaften vor Dreck starren - dafür müssen die Kontrolleure vom Amt sorgen. Um den Gästen noch mehr Sicherheit zu geben, scheint es also eine gute Idee, dass Ekelwirte in Internet veröffentlicht werden und unbedenkliche Lokale einen Smiley an der Eingangstür platzieren dürfen. Die Guten werden belohnt, die Schlechten an den Pranger gestellt - das ist doch das, was die Berliner sich wünschen. So schafft man Wettbewerb und für Unternehmer einen Anreiz, den Kunden nur Bestes zu bieten.

Tatsächlich aber erhalten die Kunden und Gäste nur eine zweifelhafte Gewissheit. Denn die Sicherheit, im Bezirk Pankow in einem gepflegten und sauberen Restaurationsbetrieb zu speisen oder in einem tadellosen Lebensmittelgeschäft einzukaufen, ist relativ. Was der Bezirk verspricht, kann er in der Praxis nicht halten. Denn die 7000 Lebensmittelbetriebe und 2500 gastronomischen Einrichtungen im Bezirk werden von lediglich zwölf Kontrolleuren begutachtet. Da kann sich jeder ausrechnen, wie häufig der Mann vom Amt vorbei schaut. Wenn das Amt nicht sicherstellen kann, dass alle Betriebe regelmäßig kontrolliert werden, ist das ungerecht gegenüber jenen Gastronomen, die das Los trifft - positive wie negative Veränderungen werden absehbar nur in großem zeitlichen Abstand ermittelt werden.

Nicht zu Unrecht fragt deswegen auch der Gaststättenverband, warum das vorhandene Instrumentarium nicht ausreichend ist: Wenn ein Betrieb grob gegen die Vorschriften verstößt und der Wirt unbelehrbar ist, dann kann das Bezirksamt auch jetzt einfach ein Lokal schließen, um die Öffentlichkeit zu schützen. Andere Lokale aber, in denen Mängel festgestellt werden, stehen künftig monatelang auf der schwarzen Liste, auch wenn die Beanstandungen längst beseitigt sind, während andere Lokale als problemlos gelten, die in Wirklichkeit weit bedenklicher sind, allerdings nie kontrolliert wurden. Von solch fragwürdigem Aktionismus haben die Gäste jedenfalls nichts; dass verwirrt sie nur. Wer Sicherheit vermitteln will, der muss dazu auch in der Lage sein - ansonsten ist die erste Klage gegen das Bezirksamt nur eine Frage der Zeit.

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