Auf den Punkt : Dummes Alkoholverbot

Patricia Wolf über Sinn und Unsinn eines Alkoholverbots im öffentlichen Raum

Patricia Wolf
Patricia Wolf, Redakteurin -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Immer wieder schwer betrunkene Jugendliche, die in Kliniken behandelt werden müssen. Die Bilanz des vergangenen Wochenendes: 13 Fälle. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann er kommt: der Appell für ein generelles Alkoholverbot auf Straßen, Plätzen und im öffentlichen Nahverkehr. Ein hilfloser Appell? Denn es stellt sich die Frage, ob sich davon wirklich auch nur ein Jugendlicher abhalten ließe. Soll doch keiner glauben, dass mit einem Verbot weniger getrunken würde. Rauchen tun die Leute ja auch nicht weniger, seit der Zigarettenqualm in Kneipen behördlicherseits nicht mehr geduldet wird.

Schließlich gilt auch jetzt schon ein Verbot: kein Bier für Jugendliche unter 16, keine harten Getränke für unter 18-Jährige. Natürlich ist es richtig, dass in Supermärkten Jugendliche, die Alkoholika kaufen wollen, nach ihrem Ausweis gefragt werden und Wirte sich an dieses Gesetz halten. Ebenso undurchdacht wie das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wirkt aber die Überlegung, den Abend- und Spätverkauf an Tankstellen einzuschränken. Denn damit trifft man nicht nur Jugendliche, sondern auch alle, die sich spätabends für eine spontane Party mit einer Flasche Sekt versorgen wollen.

Vor allem bleibt die Frage: Wer soll das alles kontrollieren? Schon jetzt beklagen die Ordnungsämter Personalmangel, der dazu führe, dass Umweltplaketten nicht kontrolliert oder das Nichtraucherschutzgesetz nicht überwacht werden kann. Und wo fängt der öffentliche Raum an? Wo endet er? Dürfen auf einer privaten Party, die in halböffentlichen Lokalität stattfindet, die Gäste nur an der Saftschorle nuckeln?

Und gehört nicht Alkohol zum Erwachsenwerden dazu? Ein Verbot wäre das dümmste Mittel, sie auf den Umgang mit spirituellen Getränken vorzubereiten.

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