Auf den Punkt : Gegen den Strich

Claudia Keller zur Forderung nach einem Prostitutionsverbot vor Kitas und Schulen

Claudia Keller
Claudia Keller
Claudia Keller, Berlin-Redakteurin -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDen meisten Eltern sträuben sich die Haare, wenn sie vor der Schule ihrer Kinder Prostituierten begegnen. Vor den Frauen selbst muss keiner Angst haben. Aber was ist mit ihren Zuhältern, was ist mit ihrer Kundschaft? Was ist mit denen unter ihnen, die noch lieber als mit einer ausgewachsenen Prostituierten Sex mit kleinen Mädchen oder Jungs haben wollen? Sie sind eine Gefahr für Kita- und Schulkinder. Eltern haben ein Recht darauf, dass ihre Kinder dieser Gefahr nicht ausgesetzt werden. Deshalb kann man der Forderung des Berliner Bezirksbürgermeisters von Tempelhof-Schöneberg nur zustimmen, der Prostitution vor Kitas- und Schulen verbieten will.

Außer der konkreten Gefahr, dass Mädchen und Jungen begehrlichen Blicken und Zugriffen ausgesetzt sind, gibt es noch eine weitere, indirekte Befürchtung. Natürlich werden Kinder fragen: "Warum steht die Frau da so rum?" Väter, Mütter, Lehrer werden es ihnen erklären. Dass es Prostitution gibt und immer geben wird, werden Kinder sowieso irgendwann erfahren. Um das zu lernen, braucht es auch nur wenige Klicks im Internet. Trotzdem ist es ein Unterschied, wenn Kinder täglich erleben, dass es sich bei dem Gewerbe um etwas scheinbar so Selbstverständliches handelt, dass es auch vor ihrer Schule praktiziert werden darf. Das wird ihr Bild von Sexualität und Liebe beeinflussen.

Wer als Junge über Jahre erlebt hat, dass Sexualität eine Ware ist, die sich Männer von Frauen kaufen, wird vielleicht in der Pubertät das Gleiche auch von seinen Klassenkameradinnen erwarten. Sexualforscher warnen sowieso schon davor, dass sich die Einstellung von Jugendlichen zu Sexualität und Liebe verändert, dass immer weniger klar ist, dass die körperliche Liebe auch etwas mit Gefühlen zu tun hat. Diese Tendenz muss man nicht noch verstärken.

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