Auf den Punkt : Grüne Männerleiden

Werner van Bebber über eine neue Verhaltenslehre für Jungs

Werner van Bebber Foto: Kai-Uwe Heinrich
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Armer Robert Enke - jetzt nehmen grüne Anti-Machos den Tormann, der sich nach Depressionen das Leben genommen hat, für ihre Neue-Männer-Ideologie in Anspruch. Das hat er nicht verdient - schon deshalb nicht, weil er sich gegen die Stilisierung zur Ikone männlicher „Versagensängste“ nicht mehr wehren kann.

Aber solche Petitessen sind nicht wichtig für die Vordenker einer neuen Verhaltenslehre für Jungs und Männer, die da im Namen der grünen Partei ins 21. Jahrhundert starten wollte. Wie schon öfter in den vergangenen zehn Jahren kann man den Eindruck haben, dass die Wirklichkeit (und der ein oder andere nicht-grüne Politiker) weiter ist als die Partei, die mal Avantgarde war. Viele Männer außerhalb der grünen Partei nehmen heute sehr gern jede Möglichkeit wahr, sich mehr, öfter und intensiver um ihre Kinder zu kümmern, auch und bewusst auch Kosten ihrer Karrieremöglichkeiten.

Das Papier, das die taz unter der Überschrift „Nicht länger Machos sein müssen“ jetzt veröffentlicht hat, liest sich angesichts der Wirklichkeit wie eine Geschichte grüner Männerleiden. Grüne Männer (oder wenigstens die Autoren Jan Philipp Albrecht und Sven-Christian Kindler) leiden an einem „tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität“, am „Rollenzwang“ und daran, dass Männer in manchen feministischen Diskursen „nur selten eine Rolle“ spielten. Ja, das schmerzt.

Vor allem leiden die Männer-Manifestler daran, dass von der Klima- über die Finanz- bis zur „Gerechtigkeitskrise“ lauter „direkte Folgen“ männlicher Lebens- und Arbeitsweise zu beklagen sind. Wäre die Kausalkette nicht so weich und brüchig, könnte man spotten: Bravo Jungs, wenigstens beim Kaputtmachen zeigt ihr noch ein bisschen Energie. Aber man sollten die beiden grünen Autoren in ihren fundamentalen Selbstzweifeln nicht noch bestärken - wer weiß, wozu das führt.

Klar doch: An jeder Kritik, die begrifflich nur grob genug daher kommt, bleibt irgendetwas hängen. Klar wäre es, um eine Forderung der Anti-Machisten aufzugreifen, schön für die Jungs, die jetzt auf die Grundschule gehen, wenn - mit Verlaub - nicht nur Frauen sie unterrichteten. Manche (manche!) können und wollen einfach nicht hämmern.

Aber man fragt sich doch, wer oder was die grünen Jungs dazu gebracht hat, sich „grüne Feministen“ zu nennen - und dann noch zu glauben, dass sie auf ihrer Reise in den grünen Feminismus viel männliche Begleitung haben werden.

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