Auf den Punkt : Hau den Manager

Ursula Weidenfeld über die Lust an der neudeutschen Managerfeindschaft.

Ursula Weidenfeld
Ursula Weidenfeld.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es ist schon erstaunlich, was Deutschlands Spitzenwirtschaftsleute auf einmal alles sind: Abschaum, Asoziale, Kriminelle. Für jeden anderen Beschuldigten gilt, dass er als unschuldig gilt, bis er verurteilt wird. Für Manager und Unternehmensführer ist es anders: Bis zum Beweis des Gegenteils gelten sie offenbar als schuldig. Bemerkenswert ist auch, dass diese Kommentare nicht nur an Stammtischen zu Hause sind, sondern in der Spitzenpolitik -  es sind Spitzen-Politiker von SPD und CDU, der Regierungskoalition, die sich hier verdient machen.

Damit kein Zweifel aufkommt: Wer Steuern hinterzieht, muss bestraft und verurteilt werden. Wenn der abgetretene Postchef Klaus Zumwinkel Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hat, soll er verurteilt werden. Das wäre kriminelles Verhalten, vor dem sich der Staat und die Allgemeinheit mit Nachdruck schützen müssen.

Doch noch ist Zumwinkel nicht verurteilt. Nicht nur deshalb ist es mehr als dumm, Topmanager und Unternehmer jetzt als Asoziale und Kriminelle zu verurteilen. Es ist dumm, weil es nicht stimmt - vermutlich ist die Quote der Gesetzesbrecher in den Chefetagen keineswegs höher als bei den Normalverdienern. Es ist dumm, weil es nicht einmal denen nutzen wird, die jetzt fix mit Urteilen zur Hand sind. Wer sich großzügig am Vokabular der Linkspartei gegenüber der Wirtschaft bedient, muss sich nicht wundern, wenn Wähler dann am Ende doch lieber das Original wählen als die frisch bekehrten Sozialisten in CDU und SPD.

Vor allem aber ist es dumm und verantwortungslos, weil bei den flotten Reaktionen auf den Fall Zumwinkel offenbar jede Relation verloren gegangen ist. Man muss sich nur mal vorstellen, es ginge hier nicht um Spitzenmanager, sondern um Hartz-IV-Empfänger, um Menschen mit Migrationshintergrund, um jugendliche Schwarzfahrer, kleine Steuerschummler: Abschaum, Kriminelle, asozial? Zu Recht haben wir uns in den vergangenen Jahren einen fairen Umgang mit Randgruppen und den Schwachen in der Gesellschaft auferlegt. Dass eine solche Selbstverpflichtung auch bei den Starken angebracht wäre, haben die vergangenen Tage gezeigt. So kann, so darf man mit Menschen nicht umgehen - selbst wenn man annehmen darf, dass sie der Fürsorge der Allgemeinheit nicht bedürfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben