Auf den Punkt : Herz ohne Seele

Bas Kast über die 40 Jahre alte Kunst der Herztransplantation

Bas Kast
Bas Kast
Bas Kast, Wissenschaftsredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren legte der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard eine medizinische Mondlandung hin: In den frühen Morgenstunden des 3. Dezember 1967 transplantierte er in Kapstadt das erste menschliche Herz. 18 Tage schlug das fremde Organ in der Brust des Kolonialwarenhändlers Louis Washkansky. Dann erlag Washkansky einer Lungenentzündung. Sein Patient starb, für Barnard aber begann ein zweites Leben: Wie kaum ein Arzt zuvor wurde er gefeiert. Und kritisiert: Sein Eingriff war ein Tabubruch, galt doch das Herz vielen als Sitz der Seele – eine Vorstellung, die bis ins Alte Testament und in die griechische Antike zurückreicht.

Für Barnard war das Herz nichts weiter als eine „primitive Pumpe“: Er sah seine Operation nicht als Eingriff in die göttliche Schöpfung, sondern als Versuch, Leben zu retten. Barnard hat Recht behalten. Heute wissen wir: Wer ein neues Herz bekommt, dessen Seele bleibt unangetastet. Nicht das Herz, nein, das Hirn ist Sitz der Seele. Barnards Beispiel zeigt: Konkretes Leid geht über abstrakte Vorstellungen.

Heute haben viele ethische Einwände gegen die embryonale Stammzellforschung. Viele empfinden die Vorstellung grauenhaft, an embryonalen Zellen zu forschen. Wie das Herz, so sind auch diese Zellen nicht im Entferntesten beseelt. Konkretes Leid sollte nach wie vor über abstrakte Vorstellungen stehen. Mit Hilfe von embryonalen Zellen könnte man eines Tages Organe retten ohne das größte Problem einer Transplantation: die Gefahr der Abstoßung. Und was den Tabu-Bruch betrifft: Vielleicht werden wir den in 40 Jahren ähnlich sehen wie heute den Eingriff ins Herz.

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