Auf den Punkt : Herzlichen Glückwunsch!

Lorenz Maroldt über die Kanzlerin und das Ackermann-Abendessen

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt Foto: Kai-Uwe Heinrich
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Vielleicht hatte Josef Ackermann nur etwas Nettes sagen wollen über die Kanzlerin. Vielleicht wollte er ihr aber auch zeigen, was für ein gefährlicher Gegner er ist. Folgendes hat der Chef der Deutschen Bank jedenfalls vor kurzem erzählt über ein Gespräch mit Angela Merkel zu Beginn des vergangenen Jahres:

"Sie hat mir damals gesagt, sie würde gerne etwas für mich tun. Ich solle doch einmal etwa 30 Freunde und Freundinnen einladen aus Deutschland und der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde im Kanzleramt. Und ich muss Ihnen sagen, es war ein wunderschöner Abend."

2008 war ein hartes Jahr für Josef Ackermann: neunzig Prozent Gehaltsverlust im Vergleich zum Vorjahr. Die Finanzkrise. Im letzten Quartal hatte die Deutsche Bank gerade noch genug Geld übrig, um der CDU 200.000 Euro zu spenden. Die FDP bekam ebensoviel. Die arme SPD nur 100.000. Für Ackermann bleiben so eben noch 1,4 Millionen übrig. Da war der wunderschöne Abend im Kanzleramt im Kreis der lieben Freunde längst gegessen.

Eigentlich hätte Ackermann mal was für Merkel tun können. Aber das will natürlich erst recht niemand. Die gekaufte Kanzlerin. Das geht ja gar nicht. Dabei gab es aber doch einen guten Grund für ein bisschen Dankbarkeit von Ackermann: Als Merkel noch nicht Kanzlerin, aber schon CDU-Vorsitzende war, ergriff sie Partei für den unbeliebten Banker im Mannesmann-Verfahren. Sie schimpfte, die Anklage sei ein Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland, und rief: "Ich bin von der persönlichen Integrität von Herrn Ackermann überzeugt." Der bleckte daraufhin die Zähne und spreizte die Finger zum Victory-Zeichen. Ja, so ein Rechtsstaat kann schon mal stören.

Was denkt die Kanzlerin wohl über die Worte Ackermanns zu ihrem wunderschönen gemeinsamen Abend damals, kurz nach dem 60. Geburtstag des Bankers? Sie sagt es nicht. Es wäre wohl auch kaum druckbar. Es ist jedenfalls ein Schlag gegen den Wahlkampf der CDU Deutschlands, was Ackermann da sagt, und wenn es stimmt: was Merkel da gemacht hat.

Ach, übrigens, vor kurzem waren jede Menge Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Literaten und Designer zu Gast im Kanzleramt, Heiner Lauterbach und Veronika Ferres, Uschi Glas und Hannelore Elsner, Bully Herbig und Jette Joop, Uwe Tellkamp und Thomas Brussig und ach, Volker Schlöndorff, der hat launig davon berichtet. Fast so schön wie die Partys bei Schröder war das wohl, viel Rotwein ist geflossen, viel billiger als die Sause mit Ackermanns Friends war das wohl kaum. Aber dass die Kanzlerin einem der lustigen Künstlergäste vorher gesagt hätte, sie wolle mal für ihn etwas tun, er solle mal dreißig Freunde einladen auf unser aller Kosten, davon wurde nichts bekannt.

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