Auf den Punkt : Im Spielfieber

Malte Lehming über Lotto und Porsche

Malte Lehming
Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wer jetzt beim Lotto einsteigt, ist nicht nur dumm, sondern auch arrogant. Das ist ein recht harter Satz, doch ganz falsch ist er nicht. Dass die Chancen für einen Lotto-Sechser derart minimal sind, dass eine Beteiligung an dem Glücksspiel höchst irrational ist, weiß man. Frei lässt sich das Wort "irrational" mit "dumm" übersetzen. Nun jedoch sind die Deutschen durch den bislang zweithöchsten Jackpot in der Lotto-Geschichte (rund 30 Millionen Euro) in ein wahres Spielfieber geraten. Die Veranstalter gehen von einer 50-prozentigen Zunahme der Einsätze aus.

Die Hysterie offenbart eine Botschaft: Uns geht's verdammt gut, trotz allem. Wir zocken erst mit, wenn es sich wirklich lohnt. Und eine Million oder 1,5 oder 2, das wird verschmäht, das sind eben Peanuts, selbst für das so genannte Prekariat. Denn nicht etwa die oberen Zehntausend steigen jetzt ein, sondern es sind auch die Abgehängten, die Hartz-IV-Empfänger, die Armen. Was für eine Anmaßung! Die Aussicht auf eine schlappe Million konnte ihren Ehrgeiz nicht entfachen, es müssen schon 30 Millionen sein.

Das wiederum ist zufällig das Jahresgehalt von Wendelin Wiedeking, dem Porsche-Chef. Er indes hat, im Unterschied zu dem, worauf die meisten Lottospieler hoffen, für diese Summe geackert. Er hat Maschinenbau studiert, sich hochgearbeitet, wurde 1994 Manager des Jahres, rettete Porsche sowohl vor dem Konkurs als auch vor einer Übernahme und baute das Unternehmen kräftig aus. Heute war Bilanz-Pressekonferenz. Ergebnis: Der Umsatz stieg in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2007/08 um 14,7 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Das darf man beachtlich, ja prächtig nennen. Diese 30 Millionen sind verdient.

Klug und anständig wäre es von den Deutschen, wie Wiedeking werden zu wollen. Statt dessen spielen sie Lotto - und Sozialdemokraten plädieren für einen Höchstlohn bei Managergehältern. Ein seltsames Land.

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