Auf den Punkt : Jetzt erst recht für Ethik in Berlin

Gerd Nowakowski über den Papst in Afrika

Gerd Nowakowski
Gerd Nowakowski
Gerd Nowakowski, Ressortleitung Berlin/Brandenburg -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDas macht es nicht einfacher für die katholische Amtskirche in Deutschland. Es gibt derzeit keinen Fettnapf, ach was: Bottich, den der Papst auslässt. Nun also zum Start der Afrika-Reise die Botschaft, dass Kondome das Aids-Problem noch vergrößern. Die Argumentation kann nur verstehen, wer sehr tief im Schoß der Kirche ruht und weiß, wie das gemeint ist. Die meisten Menschen tun das nicht. Sie denken an die Millionen Aids-Opfer, an die Kinder, die schon mit der Krankheit geboren werden und deren Eltern vor der Zeit sterben. Dazu sagt der Papst nichts - auch nichts zum Fall eines neunjährigen Mädchens in Brasilien, das vergewaltigt wurde und nach der Abtreibung von der Kirche exkommuniziert wurde. Der erschütternd naive Umgang des Papstes mit dem Holocaust-Leugner Bischof Williamson und das völlig misslungene Krisenmanagement der Kirche kommt noch hinzu.

Mitten im Leben? Nein, das ist die katholische Kirche wohl nicht so richtig, besonders nicht im säkularen Berlin. Viele Eltern werden sich in Berlin nun fragen, ob sie ihre Kinder wirklich in einen Religionsunterricht schicken und Widersprüchen aussetzen wollen, wenn der Oberhirte sich derart verbohrt und gestrig präsentiert. Haben sie ihren Kindern neben den christlichen Werten nicht auch vermittelt, dass Kondome schützen? Ohne Belang sind diese Fragen der Eltern nicht, nicht in Berlin, wo am 26. April die Wähler darüber abstimmen können, ob Religion ein ordentliches Lehrfach wird.

So wie sich viele Eltern nicht vorstellen möchten, dass ihre Kinder in Religion über Homosexualität nur die einseitige Sicht des Islam kennen lernen, so wenig wollen andere Eltern, dass zum Thema Verhütung nur die strikte Ablehnung der katholischen Kirche gelehrt wird. Rückenwind aus Rom bekommen die Streiter für Pro Reli jedenfalls nicht. Der Papst mit seinen Äußerungen könnte vielmehr dazu beitragen, dass ein gemeinsamer Ethik-Unterricht, der dazu verhilft, alle Weltreligionen kennenzulernen und zu achten und Toleranz vermittelt gegenüber Andersgläubigen, für viele Wähler doch zur besseren Alternative in Berlins Schulen wird.

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