Auf den Punkt : Neue Chancen für Rache

Elisabeth Binder über Hochzeitsgeschenke, die keine mehr sind

von
Elisabeth Binder
Elisabeth Binder, Redakteurin für besondere Aufgaben

BerlinSchlechte Perspektiven für Schwiegereltern: "Geschenkt, wieder abgenommen, in die Hölle gekommen", sagt der Volksmund. Ein BGH-Urteil ermutigt diese Bevölkerungsschicht nun geradezu zur Höllenfahrt, weil es Schwiegereltern Recht gab, die dem Mann der Tochter Geld für den Kauf einer Eigentumswohnung gegeben hatten und dieses nach der Trennung zurück wollten. Da fragt man sich natürlich, warum sie das Geld nicht gleich der Tochter geschenkt haben. Wenn in der Wohnung später dann beide wohnen, ist es doch egal, wem sie gehört. Vielleicht wollten sie ganz konservativ den Herrn im Haus etablieren, vielleicht auch nur die Rallye der liebsten Schwiegereltern des Landes gewinnen.

Das Urteil wird noch vielen Kopfzerbrechen machen, weil es genervten Schwiegerkindern hübsche Chancen für späte Rache bietet. Welche Ehe hält schon ewig oder auch nur bis zum verflixten 13. Jahr? Gab's zur Hochzeit beispielsweise eine Imbissbude, müssen die Schwiegereltern am Ende womöglich selber Würstchen braten. Und wenn sie raumfüllende Möbel geschenkt haben? Dann dürfen sie sich zur Strafe in den eigenen vier Wänden klaustrophobisch fühlen, wenn noch eine Sofagarnitur dazu gequetscht werden muss nach dem ebenfalls volkstümlichen Motto "Lieber sich die Wohnung verengen, als dem geschiedenen Schwiegerkind was gönnen."

Auch die junge Ehefrau, die von den Schwiegereltern ein teures Porzellanservice gekriegt hat, bekäme Probleme, wenn sie beim Ehekrach nicht einfach mit Bone-China-Tellern um sich schmeißen könnte, sondern diszipliniert damit rechnen müsste, die Dinger unversehrt zurückgeben zu müssen, wenn's zum Äußersten kommt. Kompliziert wird's, wenn die Eltern den Kindern eine Hochzeitsreise geschenkt haben. Wie will man nach dem Tod der Beziehung eine glücklich verbrachte Zeit zurückfordern, ohne vorher die Erfindung eines Zeittunnels einzuklagen?

In der Folge des Urteils wird das Klischee von den bösen Schwiegereltern vermutlich mit höchst unappetitlichen Episoden verhärtet werden. Besser, man ignoriert es und rechnet gleich damit, dass ein junges Glück nicht ewig hält. Wer statt der Wohnung fürs Leben für jeden der ersten sieben Hochzeitstage eine Traumreise mit Unzurückforderbar-Siegel verschenkt, trägt zur Haltbarkeit der Beziehung womöglich wirksamer bei und kommt gar nicht erst in Verlegenheit, später was zurückfordern zu müssen.

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