Auf den Punkt : Nie war er so wertvoll wie heute

Gerd Nowakowski über Thilo Sarrazin

Gerd Nowakowski
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Gerd Nowakowski, Ressortleitung Berlin/Brandenburg -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinMitglied des Bankenrettungsauschusses werden? Nicht jeden Politiker erreicht ein solcher Ruf. Kann doch auch nicht der schlechteste Job sein: Milliarden verteilen an Not leidende Banken und dabei mit dem Zeigefinger drohend ein wenig mehr seriöses Geschäftsgebaren einfordern - das wär was für unseren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin. Als Zuchtmeister hat er jedenfalls seine Qualität in der Hauptstadt hinlänglich unter Beweis gestellt. Und spekuliert wird ebenfalls seit geraumer Zeit, das der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin nach anderen Aufgaben schielt - etwa seit längerem für einen Posten in der Bundesbank im Gespräch ist. Immerhin hat der eiserne Kassenwart, der weder vor harten Sparmaßnahmen noch vor zuweilen verletzend-harten Worten zurückschreckt, den Berliner Haushalt so nachdrücklich auf Sanierungskurs gebracht, dass in diesem Jahr erstmals Schulden zurückgezahlt werden können.

Ohne Sarrazins Arbeit, der seine Senatskollegen unnachgiebig mit Hinweisen auf Einsparungsmöglichkeiten und Überausstattungen nervte, könnte auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit seine bundespolitischen Ambitionen vergessen. Nun in den Bankenrettungsfonds zu wechseln, in ein Gremium, wo Sarrazin erstens nur einer unter drei Mitgliedern ist und zweitens die wirklich wichtigen Entscheidungen woanders, nämlich im Lenkungsausschuss, fallen - das sollte für ihn wenig reizvoll sein. Besser erster Buhmann in Berlin statt woanders zweite Geige - das sollte für den Finanzsenator, der durchaus die Öffentlichkeit liebt, attraktiver sein. Außerdem: nie war Sarrazin so wertvoll wie heute für Berlin. Denn mit den finanziellen Altlasten hat die Stadt zwar aufgeräumt, aber mit der internationalen Finanzkrise steht die nächste Sparrunde in Haus. Da kann sich Sarrazin Prügel vom politischen Gegner wie von den spendierwilligen eigenen Genossen holen, aber auch neue Verdienste für die Stadt erwerben. Klaus Wowereit weiß, was er an seinem Kettenhund hat.

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