Auf den Punkt : Parteiführer West

Matthias Meisner über Oskar Lafontaines politische Rückkehr

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Matthias Meisner
Matthias Meisner -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinNoch bleibt das Vakuum an der Spitze der Linken. Oskar Lafontaine hat sich zwei Stunden lang gezeigt, beim Neujahrsempfang seiner Partei in Saarbrücken. 50 Minuten hat er geredet, sich selbst und anderen bewiesen, dass er es auch nach seiner Krebsoperation kann wie ehedem - angreifen, den politischen Gegner beschimpfen, das Parteivolk begeistern, allemal das an der Saar.

Aber ist das schon Führung? Hat er wirklich das Zeug, die gesamte Partei, nach heftigen Flügelkämpfen aus der Bahn geworfen, wieder in den Griff zu bekommen? Seit zweieinhalb Jahren ist Lafontaine Vorsitzender, in dieser Zeit hat er nicht an seinem Schreibtisch in der Parteizentrale Platz genommen. Hineinregieren in die Linke kann er auch anders, eben erst hat er das bewiesen, als auf sein Unbehagen hin Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch aus dem Amt gejagt wurde.

Brüskiert und verunsichert bleiben jene, für die die Linke eben nicht nur die "junge Partei" ist, von der Lafontaine spricht: Sondern die ihre Erfahrungen schon in der PDS gesammelt haben, die gerade 20 Jahre alt geworden ist. Deren pragmatische Politik hat die Linke im Osten zur Volkspartei werden lassen, in weiten Landstrichen stärker als die SPD.

Lafontaine dagegen meint, mit Regierungsbeteiligungen habe die PDS nicht die besten Erfahrungen gemacht, und den rot-roten Koalitionsvertrag in Brandenburg hätte er so nicht unterschrieben. Nur eine Strategie, die Kompromisse vermeidet, hält er für gut. Mit seiner Ansage eint er die Partei nicht. Aber er kann bleiben - als Parteiführer West.

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